STRANDGUT

Wusstest Du, daß täglich
ein Strand Dir Gesellschaft leistet?
Denn, und ich spreche nicht von Deiner Seele,
eine Gesellschaft ist ein Strand.
Ne, ich spreche doch von einer Seele.
Kultur, Gedächtnis, Geschichte, Art, Sehnsucht
sind der Gesellschaft ihre Seele,
wie das Meer dem Strande,
das kommt und geht,
wegnimmt und hinterlässt.

Und so laufen wir täglich am Strand
durch die Stadt, durch das Dorf,
hinterlassen Fußabdrücke und Flaschenpost,
Trophäen und Träume, die
von der Volksseele geschluckt werden -
Und alles Strandgut, das uns täglich begegnet,
das Hässliche, das Schöne, das Neue, das Alte,
kommt aus der Tiefe der Volksseele,
zeigt sich kurz - und wird wieder geschluckt.
Wird wieder verborgen, gehütet und versteckt. 

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Spaziergang bei Ebbe am Wattenmeer, Nordsee. Okt 2020.

Nach dem ich mein heutiges Gedicht schrieb, kramte ich dieses „alte“ Foto von vor 2 Jahren aus. Der Nordsee und vor allem das Wattenmeer haben zu meiner Seele gesprochen.

RUHE

Ich habe gehört
weit oben im Norden
irgendwo an der Nordseeküste
heute Nacht
sehen die aufwärtsblickenden Augen
außer dem klaren Sternenhimmel
nichts mehr…

keine Gedanken
keine Erinnerungen
keine Sorgen
kein gestern und kein morgen
keine Ängste und keine Wolken
und keine Antworten…
Nur den klaren Sternenhimmel.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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