DIE OBERFLÄCHE DER TIEFE

Manche Ringe sind so tief
Du musst sie auf die Oberfläche ziehen
Um sie anziehen zu können
Manche Wälder sind so wild
Du musst sie als Gärten erzählen
Um sie begreifbar zu machen
Manche Schmerzen sind so lähmend
Du musst sie lächelnd ignorieren
Um sie ungestört in Dir wüten zu lassen
Einst liebte ich die Tiefe
Verpönte die Oberfläche
Bis die Tiefe mich verriet
Und die Oberfläche mich tröstete
Vorübergehend und oberflächlich zwar
Doch genau richtig für dort
Wo ich innerlich gerade war.

Che Chidi Chukwumerije (23.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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SCHUTZZÖGERN

Abschied aus dem Reiche
Der Oberfläche –
Ich zögere…

Welche Tiefe braucht keine Oberfläche?

Welche Wahrheit braucht
Keine sie schützende Lüge?
Ablenkung und Deckung.

Ich zögere.

Wer zögert,
Hat bereits verloren.
Oder ist auch das nur eine Schutzlüge?

Ich zögere.

Denn ich weiß
Daß mein schweigendes Wissen
Das Wertvollste ist, was ich besitze.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE GRENZE DER DICHTUNG

Einer muß das Verschlüßelte
Erst entschlüsseln (können) (wollen) (müssen)
Und darin liegt die Kunst.

Die Dichtung ist ein stilles Bild
Die in Richtung einer Realität zeigt
Die jenseits der Dichtung liegt.

Sich in die Dichtung zu verlieben
An der Dichtung zu hängen
Und bei der Dichtung stehen zu bleiben
Ohne in die darüber und dahinter
Lebende Realität hinein zu gehen,
Ein Teil dessen unvollkommen, unvollständig
Und meistens fehlerhaft VERDICHTET wurde
Als Dichtung ins Gedicht,
Wäre:

Der Dichtung ihren wahren Sinn und
Wahren Zweck zu berauben;
Wäre:

Ihr Dasein vergebens und umsonst zu machen
Fast wäre es besser, das Gedicht
Wurde nie geschrieben.

Die Dichtung fungiert und funktioniert
In ihrer höchsten Form
Am besten als Botschafter, als Zeigefinger
Um das Vorhandensein dessen zu bezeugen
Und darauf hinzuweisen:

Ein Ort und eine Zeit
Und eine Beschaffenheit und ein Sein
Wo das, was schwach in dem Gedicht
Zu ahnen ist,
Keine Dichtung ist
Sondern normale und echte
Realität.
Die Wirklichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung