RASSISMUS 2.0

Wer unterdrückt werden sollte
Darf nicht laut schreien dürfen
Lautlos soll er erwürgt werden

Wenn sie Rassismus beklagen
Klagen wir sie dafür an!
Unser Gericht wird uns sicher Recht geben

Diskriminierung 2.0
Rassismus 2.0
Wir bringen es Euch schon bei

Polizei und Politik und Justiz
Wir lassen unser Volk niemals im Stich
Wir haben die Mittel, die Medien

Ihre Stimmen totschlagen
Totschweigend
Wir führen wieder das Wort laut!

Das Imperium schlägt zurück
Gegenteiliges soll wieder unterdrückt
Heil zum Unheil, Glück zum Unglück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GÄSTE DER NATUR

Wie viele Rassen sind wir?
Wie viele Rassen waren wir einst?
Wie viele Rassen werden wir sein?
Alle rätseln
Runzeln mit der Stirn
Die einen rasten aus
Die anderen ruhen in sich
Und keiner rudert zurück.
Nur die Natur, die Natur wird das regeln.
Die Natur hat Recht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERUNSICHERT UND HOFFNUNGSVOLL

Vertrauen
genug um mich zu trauen
aufzutauen
und zu vertrauen

Wenn Kokon meine Welt ist
und Schmetterling mein unklarer Traum
wie komme ich ohne Aussicht
auf den Gedanken „mehr Raum“ ?

Wann merke ich, daß das Ende
nur eine Grenze ist, die fallen kann?
Die ich öffnen kann dem Fremden,
denn er bietet mir seine Hand an.

Menschenfarben, von denen
ich seit gestern Ablehnung gewohnt bin
marschieren heute für mich in Tränen
rufend Black Lives Matter. Ist Echtes drin?

Es verunsichert und verwirrt mich.
Nervös warte ich auf morgen –
bereit, mich zu verlassen wieder nur auf mich –
bereit auch, neuen Wegen zu folgen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

REALITÄT AKZEPTIEREN

Schuppen fallen von Augen
von einstigen Puppen –
gefährdete Gruppen naiv und nichtsahnend
tanzend vor feindseligen Truppen, abschussbereit.
Aber sie teilen mit Euch ja ihre leckeren Suppen,
arme dankbare Puppen. Eure Berge
sind kümmerliche lächerliche Kuppen
von wo Ihr fremde Sternschnuppen bewundert
während Eure Feinde Euch ständig verkleinernd schruppen,
arme Puppen an Euren Kluppen hängend
bis Ihr verschwindet wie ausgerauchte Fluppen… –
zum Glück fallen die Schuppen nun von Euren Augen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EBENBILD

Meine Hautfarbe ist wie ein Magnet
der heimliche Blicke zieht…
Sind die Blicke deshalb so dunkel
weil meine Farbe dunkel ist?

Meine Haare sind Magnetstreifen
die meine Daten gespeichert halten –
Erscheine ich Euch so unleserlich
weil meine Haare so anders sind?

Mein Eigentum ist ein schwarzes Loch
das Neid und Gier anzieht;
Greift Ihr so gerne und listig nach ihm,
weil der Schwerkraft leicht zu erliegen ist?

Wer behauptet, es hat sich alles geändert
weil das jetzt eine neue Generation sei,
der ist entweder blind oder er lügt. –
Das Bild passt sich der Ebene zeitlich an.

Die neue Generation ist der alten
ihr Ausdruck und ihre klare Aussage
und, wenn sie sich ertappt fühlen,
ihre empörte Ausrede.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER SCHWARZE DA

Es entgeht mir nicht
wenn auf einem Gesicht
ein blauer Himmel sich
verfinstert plötzlich

Es entgeht mir kaum
wenn in einem Raum
ein blauer See auf einmal
trüb wird und asozial

Denn plötzlich,
als man unter sich
wähnte, steht er da –
Der Schwarze da

Die hohe Rasse ist
doch genauso niedrig, ist
doch genau so blind
und auch noch ein Kind.

Che Chidi Chukwumerije
02.03.2020 (23:05h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR

Ich denke an Euch
wie Ihr mit Eurem Leben
dafür bezahlen musstet
daß Ihr ein Leben hattet
und Teil unseres Lebens wart
– und nur deshalb.

Ich denke an Euch
entspannt lachend im Arm
des gemütlichen Abends
eingerahmt vom familiären
und vertrauten „Wir“
– zum aller letzten Mal.

(an die Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags am 19.02.2020 in Hanau)

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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NEUE WINDE, ALTE FAHNEN

Wir liegen wach seit einem Tag
und einer Nacht und halten Wacht
nach dem Orkan, der kam und kam
und kam noch nicht. Die alten Gefühle
sitzen noch fest in der Windstille
auf der Landschaft mitten im Gewühle
unserer äußerlich gemäßigten Gesellschaft.
Nur einer ist unruhig: der alte Wille
zur Erneuerung ohne Veränderung.
Doch wie kann unsere Gemeinsamkeit
neu werden, wenn die alten Sitten
und Ansichten noch mitten im Herzen
der Bevölkerung sturmreif und tief sitzen?
Auch neue Fahnen wehen im alten Winde
und in den neu kommenden die Alten.
Auf lebe neu der alte Widerstand.

Che Chidi Chukwumerije (10.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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FARBEN

Wie lange besteht die Mauer
bis sie fällt? Die Mauer, die steht
zwischen den Menschenrassen
Als Gruppenidentität.
Sie macht noch keinen Anstand
zu fallen,
noch etwas anderes als Verschwörung
und am besten versteckte Intoleranz
sich zu gefallen.

Wie lange bestehen die Menschen noch
bis sie zur Menschheit ehrlich wird?
Menschlichkeit geistert irgendwo in uns,
verirrt verwirrt.

Che Chidi Chukwumerije (19.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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