BEREITS

Jede Welt
vorgestellt
wird sofort echt

Auf die Beine gestellt
belebt und erhellt
erhält ihr Recht

Wer hätte gestern gedacht
daß die heutige Welt
unsere Zukunft bereits war?

Was kommt morgen?
Welcher unserer heutigen Gedanken
wird morgen unsere Zukunft sein?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER RISS

Realität blinkt, rauscht, flackert.
Elektronischer Bildschirm leuchtet stabil.
Wahrheit, uneben, wird zusammengetackert.
Lügen pflegen ein glattes Profil.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REALITÄT

Irgendwann machst Du die Augen auf.
Erst dann begreifst Du, sie waren bis jetzt zu.
Alles, was Du vorher zu sehen glaubtest,
Waren Hirngespinste und Eigenwünsche.

Die Welt ist hässlicher
Die Welt ist schöner
Als alles, was Du hättest denken können -
Und Du auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEH-SCHICHTEN

Hast auch Du in Deinem Herzen
so viele Geschichten und Erinnerungen,
von denen Du nicht weißt,
wie Du sie richtig erzählen sollst?

Einige Kapitel Deines Lebens
waren Fortsetzung und Abschluss einer Geschichte,
die in einer verschwundenen Zeit stattfand
manchmal lange bevor Du geboren wurdest.

Einige Kapitel Deines Lebens
waren Präambel und Vorboten einer Geschichte,
die in einer zukünftigen Zeit abspielen wird
manchmal lange noch dem Du gestorben bist.

Wie willst Du diese Geschichten erzählen?
Alles, was Du tun kannst, ist im Heute leben,
der Realität angepasst, und im Heute
für eine bessere Welt mitkämpfen.

Nicht alles kannst Du sagen –
aber sagen kannst Du alles,
was gesagt werden muss…
und was einst weitererzählt werden wird.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REALITÄTSNAH

Stell dir vor, du würdest in einem Körper stecken,
der wächst, wenn du dich zum Wachsen entscheidest.
Großer wachsen, kleiner wachsen, feststecken;
du entscheidest, ob du Freude hast oder leidest.

Stell dir vor, du würdest in einer Welt leben,
Wo uns die Sonne unterschiedlich aufgeht oder nicht;
Auslöser wäre das Wollen, das wir von uns einzeln geben.
Jeder öffnet oder verschließt sich selber dem Licht.

Stell dir vor, du hättest die Macht, ewig zu leben
und diese Macht würde in Deinem Wollen leben.
Je freier dein Wollen, desto höher dein Streben.
Des Freien Wille hört nimmer auf, hell zu weben.

Stell dir vor, das alles wäre keine bloße Vorstellung;
Stell Dir vor, Du müsstest es Dir gar nicht vorstellen.
Ach! Dieser Körper betäubt nur unseres Geistes Einstellung –
Die hellen nennen wir die dunklen, die dunklen die hellen.

Che Chidi Chukwumerije (12.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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WENN DAS HERZ LÄCHELT

Ein Lächeln blühte mir aus dem Herz

Was ist Realität?

Lächeln? Blühen? Herz?
Oder ist Realität
Das, was das alles ermöglicht?

Was denn ist Realität?

Wenn das Herz lächelt, blüht
Irgendwo eine Rose im Lande der Wirklichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE GRENZE DER DICHTUNG

Einer muß das Verschlüßelte
Erst entschlüsseln (können) (wollen) (müssen)
Und darin liegt die Kunst.

Die Dichtung ist ein stilles Bild
Die in Richtung einer Realität zeigt
Die jenseits der Dichtung liegt.

Sich in die Dichtung zu verlieben
An der Dichtung zu hängen
Und bei der Dichtung stehen zu bleiben
Ohne in die darüber und dahinter
Lebende Realität hinein zu gehen,
Ein Teil dessen unvollkommen, unvollständig
Und meistens fehlerhaft VERDICHTET wurde
Als Dichtung ins Gedicht,
Wäre:

Der Dichtung ihren wahren Sinn und
Wahren Zweck zu berauben;
Wäre:

Ihr Dasein vergebens und umsonst zu machen
Fast wäre es besser, das Gedicht
Wurde nie geschrieben.

Die Dichtung fungiert und funktioniert
In ihrer höchsten Form
Am besten als Botschafter, als Zeigefinger
Um das Vorhandensein dessen zu bezeugen
Und darauf hinzuweisen:

Ein Ort und eine Zeit
Und eine Beschaffenheit und ein Sein
Wo das, was schwach in dem Gedicht
Zu ahnen ist,
Keine Dichtung ist
Sondern normale und echte
Realität.
Die Wirklichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DIE VERGEBLICHKEIT DES HARTEN SIEGES

Den Dichter töten
Kannst Du nicht
Doch der Mensch ist schwach
Hinterm Gesicht – Schicht unter Schicht
Dichtung ist sein Unterricht.

Wie kann Verstand
Empfindung begreifen?
Wie will grob die Hand
Nach Feinzartem treffend greifen?
Töten kannst Du nicht
Den Dichter, noch sein Gedicht
Ziehen vor Dein starres Gericht –
Trotzdem scheint abstrakt sein Licht durch.
Schwach ist nicht wirklich schwach.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung