Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
schmerz
DIE DUMMEN LACHEN
Die Straße spricht jede Sprache Schritte fallen lautlos und stumm Die stummen sind nicht dumm Die Dummen lachen, wenn ich lache verstehen mein Lachen aber nicht Sie sprechen jede Sprache überleben auf der Straße aber nicht Kritisieren alles, was ich mache sehen den Schmerz auf meinem Gesicht und denken, daß ich lache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHWIRKUNG
Es gibt diesen Schmerz. Wenn Du gehen musst und der Abschied ohne Herz erfolgt, weil der Frust schon vorher gründlich abgelebt und abgelegt wurde, zumindest mündlich. Jetzt gehst Du, unaufgeregt, auf jeden Fall äußerlich, und nach dem Du weg bist, wunderst Du schweigend Dich, was dieser dumpfe Schmerz ist, der in Dir teilnahmslos sitzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIEDER VON VORN
Wieder von Vorne anfangen Verlorene Zeit abhaken Es lebt noch Dein Verlangen Nach gleichartigen Geistern Nach Kunst ohne Kompromiss Du Dich selbst wieder begeistern Die Fähigkeit, Altes los zu lassen Ist unsere größte Superkraft Ist Macht, uns Neuem anzupassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERNHÖREN
Ich höre Dein Herz klopfen Ich höre Dein Herzblut tropfen Ich höre Dein Blut rauschen Ich höre Deine Hoffnung lauschen Herum schleichend auf Zehenspitzen Laut wie laute unleugbare Absicht Ich höre Dich in Deiner Ecke sitzen Dein Gesicht ein unleserliches Gedicht Voll mit Schmerzen, Ernst und Witzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERZWEG
Der Weg ins Herz Der führt abwärts Ins dunkle Tal Jedes Mal Und jedes Mal In jedem Fall Abwärts einwärts In höllischen Schmerz Der Weg ins Herz Führt erst aufwärts Nach Schmerzgewinn Und Neubeginn. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LECKEN
Ich lecke Dein Herz
Schmecke nein nicht Dein Schmerz,
Sondern ich schmecke meinen
Denn Du hörst nicht auf zu weinen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINE MASKEN
Mein Herz genanntes Erz
Mein Stärke genannter Schmerz
Mein Ernst genannter Scherz
Meine Schweigen genannte Terz.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LEBENDIG
Geben und geben
Ohne zu empfangen
Dennoch weiter geben
Laufen laufen
Ohne anzukommen
Deshalb weiterlaufen
Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude
Hinterfrag nicht immer Deinen Weg
Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
