WACKELBILD

Im Augen- und Tränenblick
erscheint trüb das Glück
wie ein Wackelbild gespiegelt
auf der Oberfläche eines Flusses
den Deine Reise überbrückt.

Schmerz bleibt und vergeht
und vergeht und bleibt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES IST NICHTS

Du musst die Zeit haben
Um die Zeit zu vertreiben
Du musst die Leere in Dir tragen
Um Dich an der Leere zu zerreiben
Du musst die Liebe spüren
Um die Liebe zu hassen
Du musst zu Deinem Schmerz gehen
Um Deinen Schmerz zu verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BUCH OHNE ENDE

Ich mag es
Ich sag es
mein Bücherregal anzuschauen
und an den Schmerz zu denken
aus dem heraus alle diese Bücher
geschrieben wurden

Denn ich weiß dann, daß
ich nicht alleine bin.
Alles, was ich spüre
hat schon jemand vor mir einst gespürt
vor Hunderten von Jahren
und vor Tausenden vor Jahren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNLICH

Wie sehnte ich mich nach Dir
als sehnte ich mich nach mir
und als Du verschwunden bliebst,
starb mit Dir der Mensch, der ich war.

Jetzt schaue ich jeden Morgen
aus dem Fenster nervös in die Ferne
und bete inbrünstig, sehnlich, daß
Du nie wieder auftauchst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANGST

Was verbindet die Welt?
Schmerz oder Liebe oder Gleichgültigkeit?
Schmerz, weil wir einsam sind.
Gleichgültigkeit, weil wir Angst
vor unserem ewigen Liebeskummer haben.
Eine innere Stimme flüstert:
Und die Hoffnung?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS FALSCHE LACHEN

Wie eine freundliche Flagge
Flatterte ich Dir entgegen,
Ein brüderlicher Gruß voller Vertrauen

Doch Du lachtest…
Es war kein unfreundliches Lachen, aber
Irgendwo im Neben- oder Unter- oder Nachklang
Dieses Lachens war kein Lachen
Sondern Gelächter, über mich.

Dir war meine Flagge wohl zu leicht
Zu unwesentlich
Du merktest nicht, daß Du der Wind warst
Der mich in der Sonne richtete und
Fröhlich flattern ließ…

Sondern Du lachtest, die Brise starb
Meine Flagge löste sich von meinen Lippen
Und machte die lange einsame Reise zum Boden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NÄHER ALS GEDACHT

Die Ferne tut weh
Doch die Nähe noch mehr
Fernweh ist übertrieben
„Nahweh“ ist schwerer zu ertragen

Was habe ich in der Ferne verloren?
Alles, was uns quält, und heilt,
Alles, was uns einengt, alles, was uns befreit
Es ist alles hier. Hier und jetzt.

Das Fremde weilt nicht in Übersee
Das Eis ist immer der kältere Schnee
Am meisten tut die Nähe weh.
Und die unerfüllte Sehnsucht danach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STOLZER SCHMERZ

Holz ist stolz
Sonst würde Holz nicht brechen
Vor lauter Starrsinn
Edelholz
Adelstolz
Es gibt Menschen, die weinen nicht
Es gibt Schmerzen, die reden nicht
Und doch leiden sie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE DORNEN DER ROSE

Wenn ich mich von Dir trenne
Würdest Du darin die Liebe erkennen?
Wenn der Schmerz unerträglich brennt
Würdest Du darin die Liebe erkennen?

Wenn der Weg steinig wird und hart
Würdest Du darin den Weg erkennen?
Wenn der Weg Dich verändert hat
Würdest Du Dich darin erkennen?

Was ist Liebe, wenn Du einsam bist?
Was ist Liebe, wenn Du ein Sucher bist?
Wieso schickt sie uns keine Gesellschaft?
Dreht sich weg und wünscht uns viel Kraft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AMORS PFEILE

Nach der Liebe kommt der Kater
Verführer Amor war der Vater
Lebenslang nun ich die Mutter
Grimm und Bitterkeit das Futter
Meines gebrochenen Herzens

Es wurde schon Tabak verboten
Cannabispflanzen, Rauschschoten
Zigaretten und Rauch aller Arten –
Doch die Liebe ist im Lebensgarten
Das Rauschgift der besten Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung