ALLES AUSSER WEISS

Heute koche ich vor Trauma und Wut.
Menschheit mehr Macho als Mut?
Kein Mut zum Menschsein gemeiner als Blut.

Als Schwarzer muß ich immer wieder
erleben: Egal ob im Frieden
oder im Krieg sind wir eben immer „Die da.“
Ausgegrenzt oder vermieden.

Im Frieden feiner als im Krieg, oh ich weiß.
Da sind die Grenzen noch offen für Gespräch.
Im Krieg geschlossen für alles außer Weiß.
Das Blutgefäß ist (immer) wieder zeitgemäß.

Schwarze kämpfen immer zweierlei
Für uns ist der Weltkampf gegen Tyrannei
und der persönliche Überlebenskampf einerlei.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZE FLAMME

Ich renne Dir hinter her
wie ein brennendes Rad –
Du rennst immer schneller
wie aus Angst vor dem brennenden Rad –
Ich kann nicht stoppen zu brennen
Du kannst nicht stoppen zu rennen
Und unser Paradox kann nicht stoppen
uns voneinander zu trennen –
Den Schwarzen Mensch und sein Uhuru,
das vor ihm zu fliehen scheint, wie sein Schatten.
Bleib stehen, Selbst, ruft sein innerer Guru:
Such Außen Nichts, was wir Innen stets hatten…
Denn je lauter Du mit der Welt schimpfst,
desto tauber wird die Welt…
Zünde lieber in Dir eine Flamme,
die die Welt erhellt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES WIRD NOCH LANGE DAUERN

Es wird noch lange dauern
bis Ihr mich anschaut
und nicht zuerst Eure Vorurteile
unterdrücken müsst
um mit mir lächeln zu können

Meine Kinder werden diese Zeilen wiederholen
Ihre Kinder werden diese Zeilen wiederholen
Ich weiß es
Denn auch mein Vater wiederholte sie
und sein Vater vor ihm

Erst dann werden diese Zeilen
nicht mehr wiederholt,
wenn wir nicht mehr da sind zum Anschauen
weil wir weiter gegangen sind
und Euch zurückgelassen haben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIGENART MENSCH

An manchen Tagen bin ich zuerst Schwarz
An manchen Tagen bin ich zuerst Mensch
Nicht nur in meinen Augen
Auch in Deinem Kopf

Manchmal muss ich mich fast daran erinnern,
daß Mensch und Schwarz
sich nicht gegenseitig ausschließen –
Schwieriger ist‘s, Dir das klar zu machen.

Guten Morgen Tag, Du bist zu früh gekommen
Ich lebe für Generationen ungeboren
Und säe Samen, deren Früchte die ernten werden,
für die ich bloß ferne Geschichte sein werde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUMENSCH

Ich bin hart
wie eine scharfe wunde Kante
und schieb gegen die Grenze einer Klischee
und verschieb Dein Weltbild
einzig und allein durch mein Da-sein.

Wie das Jahr kurz vor Silvester
Wie der Morgen kurz vorm Sonnenaufgang
Wie eine Empfindung, kurz bevor sie Gedanken erweckt
Steht die Welt heute vor Veränderung –
Und WIR sind die Veränderung, Du und ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCH IST MENSCH

Wie wirst Du Deutsch
wenn Du Weiß bist
und nicht weißt,
daß Du Weiß bist?

Wie wirst Du Schwarz
wenn Du Deutsch bist
und nicht weißt,
daß Du Deutsch bist?

Wie wirst Du Mensch
wenn Du nur Weiß bist
wenn Du nur Schwarz bist
wenn Du nur Deutsch bist?

Wie wirst Du Deutsch
Wie wirst Du Schwarz
Wie wirst Du Weiß,
wenn Du nur Mensch bist?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCH UND SCHWARZ

Ich bin ein Mensch
Ich brauche keinen anderen Menschen
Der es mir erst zugestehen muß
Bevor ich es verkörpere und auslebe
Ich bin ein Mensch

Anfeindungen wegen meiner schwarzen Hautfarbe
Beweisen nur, daß die Anfeindenden
Krank sind und verbogen
Und Angst vor der eigenen inneren Kleinhieit haben
Sie brauchen jemanden zum Unterdrücken

Nicht mich.
Du kannst mich körperlich töten
Körperlich brechen, finanziell schwächen
Meinen Ruf heimtückisch schaden
Doch Du bleibst ein Narr und ich ein Star

Und immerdar.
Ich bin ein Mensch.
Selbstverständlich. Ungebrochen. Unbeugsam.
Vergiss es. Ich werde Dich besiegen.
Ich bin ein Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
30.07.2020 (22:35h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEHR ALS FARBE

Anonym und incognito sein
Unsichtbar
Nicht extra und ständig wahrgenommen
Zu werden
Habe ich erkannt
Ist wertvoller als Silber und Gold.

Ist Schwarz eine Farbe?
Ich denke nicht.
Schwarz muß mehr sein, als nur Farbe
Es ist bestimmt was Anderes, das anzieht
Und abstoßt und Raum nimmt –
Sonst macht das alles keinen Sinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung