EBENBILD

Meine Hautfarbe ist wie ein Magnet
der heimliche Blicke zieht…
Sind die Blicke deshalb so dunkel
weil meine Farbe dunkel ist?

Meine Haare sind Magnetstreifen
die meine Daten gespeichert halten –
Erscheine ich Euch so unleserlich
weil meine Haare so anders sind?

Mein Eigentum ist ein schwarzes Loch
das Neid und Gier anzieht;
Greift Ihr so gerne und listig nach ihm,
weil der Schwerkraft leicht zu erliegen ist?

Wer behauptet, es hat sich alles geändert
weil das jetzt eine neue Generation sei,
der ist entweder blind oder er lügt. –
Das Bild passt sich der Ebene zeitlich an.

Die neue Generation ist der alten
ihr Ausdruck und ihre klare Aussage
und, wenn sie sich ertappt fühlen,
ihre empörte Ausrede.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHÜSSE AUF KARAMBA DIABY’S BÜRO IN HALLE

Schüsse auf die Demokratie
Grüße von der feigen Partei
aus dem Untergrund
Weit unter dem Grundgesetz
Es gibt einen Grund warum
die Gesellschaft einst befreit wurde
von der Herrschsucht der Selbstsucht.

Einschusslöcher in die freie Gesellschaft
Einwegdenken-Motto:
Wir rühren uns nicht vom blinden Fleck
Jenseits vom Grundgesetz,
dem Auffänger und der Schutzhülle
der durch Leid gewonnenen Idealen
einer neuen Menschheit.

Schüsse!
Wachruf an die Wächter der Idealen
Die Schützer des Hohen Traums
Die sich Erinnerer des gestrigen Alptraums
Die Unvergifteten
Die Begreifer des Wertes des Grundgesetzes
Die Torwärter einer menschlichen Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije (16.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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AUS GUTEM HAUSE

Du bist schwarz und sie ist weiß
Sie liebte Dich im streng Geheimen
Neugierig, glücklich, süchtig, heiß
Mit viel Lachen und viel Weinen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Jetzt ist sie wohl verheiratet
Ihr ist‘s wichtig, daß er nie weiß
Du warst (bist?) in ihr tief beheimatet

Du bist schwarz und sie ist weiß
Hat jetzt hochpolitische Ambitionen
Es käme nicht gut an in ihrem Kreis
Alte Passionen sind neue Sensationen

Du bist schwarz und sie ist weiß
Erinnerungen sind alles, was Du noch hast
Nichts anderes bleibt zurück als Beweis
Wenn Vergangenheit nicht zur Zukunft passt.

Che Chidi Chukwumerije (13.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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DAS JAHR DER DEUTSCHEN SICHTUNG

Ich weiß
Es klingt widersprüchlich
Auch ich hätte es nie geglaubt
Nie gedacht
Nie begriffen nie verstanden
Nie erklären oder begründen oder
Beweisen können
Bis ich es in mir entdeckte
Wo es nicht nur tief und fest steckte
Sich versteckte, könnte man fast sagen
Sondern wo es immer war
Der Auferweckung harrend
Dem wiederbelebenden Ruf folgend
Zum Etwas Sein, was ich schon immer war
Und bin und sein werde
Ob ich es weiß oder nicht
Verstehe oder nicht
Will oder nicht:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig.

Mich umbringen wird es nicht töten
Mich ausgrenzen wird es nicht beseitigen
Mich ausweisen wird es nicht verbannen
Mich ignorieren wird es nicht abhängen
Mich verteufeln wird es nicht verbrennen
Mich verneinen macht es nicht ungültig
Denn es bejaht sich in mir täglich:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig. Sein.
Ohne wenn. Ohne aber.
Frag mich nicht warum.
Es ist einfach so.
Tinte verschwindet, Papier vergilbt
Blut zerrinnt und Fleisch ist schwach –
Doch der Geist ist stark und überlebt
Und kennt und geht immer seinen Weg.
Mich säubern bringt nichts
Denn Schicht unter Schicht unter Schicht
Bleibe ich:
Deutsch. Und Schwarz. Gleichzeitig.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ÜBERLEBEN

Auf einmal ergriffen mich fremde Hände!
Wo ist meine Familie?
Was sind diese kalten Wände?

Auf einmal lag ich in einem Boot
Wir sind zu Hunderten
Nackt, gekettet, Schweiß, Blut! Kot.

Nein ich kann es mir nicht vorstellen
Nein ich kann es mir nicht vorstellen

Auf einmal war ich Andern machtloser Besitz
Meine Nachfahren werden nie kennen
Ihrer Ahnen Antlitz…

Nur mich.

Jetzt muß ich
Stark sein!

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung