Jemand, der zu dem nicht fähig ist, was Du kannst, was für Dich normal ist, der wird Dich nie begreifen, der wird nie den Herd Deiner Handlungen verstehen noch den Umfang Deiner Seele Harmonie, noch den Ufer den Du ansteuerst sehen. Das was für Dich deutlich sichtbar ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Sehen
WENN DU MICH ANSIEHST

Egal was Du siehst wenn Du mich ansiehst siehst Du nicht den Deutschen in mir siehst Du mich nicht. Egal was Du siehst wenn Du mich ansiehst siehst Du nicht den Nigerianer in mir siehst Du mich nicht. Egal was Du siehst wenn Su mich ansiehst siehst Du nicht den Menschen in mir siehst Du mich nicht. Egal was Du siehst wenn Du mich ansiehst siehst Du nicht den Fremden in mir dann siehst Du mich wirklich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
*Vielen Dank an Edith Schwarberg für die tolle Illustration!
VERSTEHEN
Sehen ist verstehen. Falsch- oder Halb- oder nicht verstehen bedeutet, noch nicht richtig gesehen zu haben. Eigentlich ist es andersrum richtig: Nicht, sehen ist verstehen - sondern verstehen ist sehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHEN IST RELATIV
Wir laufen blind Was wir sind Sind mehrere Rücken Rücken an Rücken An Rücken von Fledermäusen Wir sind blind doch können wir sehen Sehen das Leid der Machtlosen Sehen, wie sie schweigend flehen Unsere Augen sind Almosen Mit denen wir sie täuschen. Wir sehen mehr Als unsere Augen sehen Da seht Ihr Unser tiefstes Vergehen. Falsche Allies, die enttäuschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENIGER REDEN
Ich höre nicht so gut wie ich sehe Deine Worte bedeuten mir wenig Taten sind alles, was ich verstehe Wenn ich sie sehe, werde ich hellhörig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TIEFER SEHEN
Wo die einen Tiefe sehen
blicken die anderen in die Leere
Wo die einen Strände sehen
freuen sich andere über die Meere
Wo die einen Profit sehen
sehen die anderen die Natur
Wo die einen Primitives sehen
fühlen sich andere Zuhause in ihrer Kultur.
Ich sehe nicht, was die anderen sehen:
Deine Augen, Deine Haare, was Du wiegst;
Ich sehe den langen Weg hinter uns
und den längeren, der noch vor uns liegt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EMPFANGEN
Manchmal kann man einen Menschen
Nach nur einer Begegnung viel besser verstehen
Als nach zehn Treffen
Wie manch ein Zaubergedicht, dessen Bedeutung
Man beim ersten Lesen voll und ganz tief empfing
Und bei weiterem Lesen
kompliziert und mühsam selber
Versucht,
gewaltsam denkend
dem Gedicht abzuringen
Vergebens.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
