SEHNSUCHT NACH EINER GRÖSSEREN WELT

Du bist mir zu klein, Welt -
Wie willst Du meinen Durst stillen?
Meinen Durst nach einem Held
Unverführbar gegen seinen Willen.
Meinen Hunger auf die Unsterblichkeit,
Unsterbliche Freundschaft, ur-ur-alt.
Mein Bedürfnis nach inniger Verbundenheit
Mit allen Gleichartigen ohne Vorbehalt.
Meine Sehnsucht nach einer Gesellschaft,
in der keine Menschen andere unterdrücken
Und der wahre Wert unserer Wirtschaft
dadrin liegt, uns gegenseitig zu beglücken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT NACH EINEM ZUHAUSE

Wer kann uns geben
was unser Land uns nie oder nicht mehr gab?
Wer kann mir wegnehmen
was ich auch Zuhause sowieso nicht hab?
Im Ausland findet man nur Asyl, Duldung.
Wer Sehnsucht nach Zuhause hat
der muß über langen schwierigen Weg
innerlich zurück - oder weiter - in die Heimat.

Glücklich sind die Neugeborenen
Traurig sind die Neugeborenen
Zuhause im Asyl. Asylanten in der Heimat.
Zuhause in der Fremde. Fremd in der Heimat.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE DIESER NÄCHTE

Ohne einander können wir
nicht mit einander.
Komm schon, bring mich durcheinander
So viel Gegenwart können wir uns gönnen.

Selbst den Anfang des Universums können
wir heute noch sehen,
wusstest Du das? Der Gegenwart stehen
Vergangenheit und Zukunft machtlos gegenüber.

Bring mir Deine Augen, die trüber und trüber
und täglich trüber werden. Schau her,
Liebe ist ein Zündstoff, brennend seit jeher,
als wäre das Herz ein ausziehbares Fernrohr –

Wusstest Du das, Funke, wusstest Du das?
Nur die sich innig binden, werden gelöst.
Nur die ehrlich sündigen, werden erlöst.
Unfassbar. Mein Boden hat kein Faß.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN FREUNDLICHER GRUSS

Manchmal schleppst Du eine Wut
jahrelang mit Dir herum in Deiner Brust -
Du merkst es allein dadurch,
daß Du immer leise sprichst, unbewusst.

Die Wut, die Du gewaltsam unterdrückst,
verwandelt sich in unstillbare Lust,
die, weil sie trotz Ausleben unersättlich bleibt,
sich wiederum verwandelt in wachsenden Frust.

Und so begegnen wir uns täglich,
im Zug, im Bus, bei der Arbeit, in der Freizeit,
Millionen Ventilsucher, gebundene Gewitter,
getrennt durch ein Gruß von Eintracht oder Streit.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKL-ICH

Wenn meine Gedanken
wie Flugzeuge
mich mitnehmen konnten
auf ihrer Reise

Und anstatt der Gedanke
an mich käme
ich selber bei Dir an
auf erstaunlicher Weise

Und wenn sie wieder
verschwinden
Und lassen sich plötzlich
nicht mehr finden

Dann sind unsere
unterschwelligen Sehnsüchte
nach einander alles
was uns noch innig verbinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EXKLUSIVITÄT

Die Sehnsucht danach, die einzige zu sein.
Die Sehnsucht, danach die einzige zu sein.

Das Sehnen sucht, verunsichert.
Das Suchen sehnt sich nach Sicherheit -
doch die Sicherheit wurde durchlöchert
durch das Bedürfnis nach Freiheit.
Denn die Freiheit wurde angereichert
durch den Drang zur Wahrhaftigkeit.

Wie kannst Du haben,
was Du nicht haben kannst?
Egal wie häufig Ihr zusammen
lacht und schweigt und tanzt.
Und Du musst die Sehnsucht tragen
mit ein bisschen Hoffnung und ein bisschen Angst.

Die Sehnsucht danach, der einzige zu sein.
Die Sehnsucht, danach der einzige zu sein.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT VERWALTEN

Sehnsucht verwalten unsichtbar
Lachen behalten im Herz unvernichtbar
Vom endgültigen Verzagen unantastbar
Und niemals altern

Verlust ertragen und wieder aufleben
Liebe ver-geben und erneut vergeben
Nach Unerklärlichem lebenslange streben
Und niemals altern

Jede Lebensphase genießen tief
Krabbelnd, träumend, aufrecht und schief –
Binden locker und binden intensiv
Und egal wie das Leben windend verlief…
Niemals altern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung