Es gibt Menschen sie lächeln immer aber in ihren Augen leuchtet kein Schimmer Traurigkeit tarnt sich als Freude regelmäßig Im Verhalten sanguinisch Im Herzen melancholisch Ich liebe Dein Lächeln aber die Einsamkeit in Deinen trüben Augen Erfüllt mich mit Traurigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Traurigkeit
WO SIND UNSERE FLAMMEN?
Die Kälte, wie eine blasse Wand, schiebt sich durch die Gassen, bringt uns zusammen und trennt uns gleichzeitig, entsprechend unserer Klassen. Du wusstest nicht, dass Du zu einer Klasse gehörst, bis angewidert jemand Dich hochnäsig meidet. Du wusstest nicht dass Du einer Klasse angehörst bis Du jemand siehst, der schlimmer leidet. Dann klingelt es leise im weihnachtlichen Nebel. Angeblich ist es die Zeit, Licht zu teilen. Meine Flamme Dir, Deine Flamme mir - zusammen können wir uns gegenseitig heilen. Angeblich. Doch die Kälte, Mantel der Angst, legt sich auf jeden von uns nieder, uns von einander trennend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREIBSTOFF FREUDE
Die Freude ist ihr Treibstoff - wie teuer muß sie noch werden bevor sie sie sich nicht mehr leisten kann? Wie wird sie ihn dann noch erreichen? Ohne ihre Freude ist er verloren in der Dunkelheit seiner Gedanken. Denn ihre Freude ist nicht nur ihr, sie ist auch sein, Treibstoff. Nicht Frau sondern Freude braucht der einsame Mann. Was sind Küsse ohne Freude? Was ist ein Lächeln ohne Freude? Mit leeren Umarmungen kann er nicht auftanken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖCHSTSPANNUNGSLEITER
Heute bist Du meine Muse
Die Ungereimtheiten in Dir
Die Uneinigkeit zwischen Deinem Kopf
und Deinem Herzen ist die schönste Spannung
die ich je gespürt habe –
sie ist eine Hochspannungsleiter,
durchströmt mich mit einem bebenden Warten
auf Entladung –
Danke für die Einladung.
Ladestation: Mensch. Sehnender Mensch.
Zu wissen, ich labe mich an Deiner Wunde
und das Laben reinigt die Wunde –
Herz und Kopf versöhnen sich…
Die Spannung läßt nach…
Die Wunde schließt sich.
Eine Weile muss nun ich entbehren, leiden –
Mein Durst wird wieder reif, dürstet…
Und wenn ich Dich dürstenden Auges anschaue
werden Dir Kopf und Herz wieder uneinig,
die spendende Spannung ist wieder da.
Hallo, Muse.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BLUME IN DER WÜSTE
Die Wüste ist immer nah. Sie ist
nicht Tausende von Kilometern entfernt;
Es trennen mich nur kleine Begegnungen von ihr –
Unfreundliche Augen auf der Straße, die
das Lächeln plötzlich verlernt haben –
Unfreundliche Stimmen, die hart eindringen
bis in meinen Kern.
Und da ist sie wieder: die Wüste.
Die Wüste, die von einer Blume besiegt wurde –
Immer und immer und immer wieder.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TRAURIGE SCHÖNHEIT
Es rührt sonderbar zu sehen
Eine hübsche traurige Frau
Hinter ihr bereits zwei Ehen
In der dritten sitzt sie zur Schau
Ich beobachte sie nachdenklich
Wie sie an ihrem Tisch sitzt alleine
Unsere Augen, ab und zu, treffen sich
Ihre sind nachdenklicher wie meine
Sie hat die Jahre gut überstanden
Der Schmerz hat sie fesselnder gemacht
Doch sicher, das “Warum” hat sie nie verstanden
So selten wie sie heute noch lacht
An meinem Tische unterhalten sich
Meine guten Kumpel mit ihrem Ehemann
Er will bleiben und tanzen feierlich
Was sie will, wird nicht kundgetan
Lebhafter wird die Veranstaltung
Immer mehr Leute, Musik, Essen, Bier
Sie beachtet alles mit Zurückhaltung
Und tauscht immer wieder einen Blick mit mir
Ihre Schönheit ist atemberaubend
Aber die hat sie nie wahrgenommen
Nach dem Sinn des Lebens verlangend
Hat sie den Lebensberg stets rastlos erklommen
Kurz nur blieb sie noch sitzen
Während andere tanzten wild und schräg
Und als auch ich anfing, zu schwitzen
Schaute ich ‘rüber und sie war weg.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
DU BIST SELBST GEFALLEN AUS EDEN
Es ist sehr leicht, zynisch zu werden
Du merkst es gar nicht kommen
Du überwindest Rückschläge und Schmerzen
Kühl betrachtest Du die herumliegenden Scherben
Und lachst: ich habe gewonnen.
Der Abendwind entlockt Dir kein Lächeln mehr
Anderer Menschen Schicksale berühren Dich nicht näher
Auch der Spiegel, seine Augen sind leer…
Es ist sehr leicht, zynisch zu werden
Denn durchschaut hast Du ja das Leben
Du meidest die Liebe, verarschest beim Flirten
Dein Kerker, die Traurigkeit, lässt Dich nicht merken:
Du selbst bist gefallen aus Eden.
Der Weg hinaus ist der Weg hinein
Der Schmerz ist Gift, ist aber auch der Wein
Der Zyniker ist selbst sein Stein.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
