Ich treffe Dich unterwegs wie Sehnsucht und die Stunde vor der Morgendämmerung, in dieser einen kurzen Sekunde. Verpassen wir diesen Moment, verpassen wir uns für immer - Nicht mal der Tod, nein, nicht mal der Tod wäre schlimmer. Hörst Du es laut und leise? Es zu hören ist des Lebens Kunst. Hörst Du es klar und deutlich? Die innere Stimme spricht in uns. Und Deine Stimme ist mir vertraut Ich rufe Dich aus dem Schlafe heraus Wir ergreifen die Morgendämmerung und laufen zusammen nach Haus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Treffen
TREFFEN OHNE ZU TREFFEN
Das, was wir am Häufigsten tun: Uns miteinander treffen. Das, was wir am Häufigsten tun: Uns gegenseitig verfehlen. Tausend Begegnungen mit Worten die auf „Treffen“ nicht zutreffen. Tausend Erzählungen in Worten die Vieles sagen aber nicht zählen. Tausend Gelegenheiten verpassen uns wirklich innig zu verbinden Tausendmal anfassen ohne zu erfassen die Fäden, die uns innerlich binden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MASKENGEDICHT
Maskenpflicht
Versteckspiel
Zeig nicht Dein Gesicht
Verrat nicht Dein Ziel
Schutzschicht
Oder Lügenpflicht
Unklare Absicht
Und ein ungutes Gefühl.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
TAUSCHEN
Wer sich selbst vergißt
Erinnert sich am Wahrsten an sich selbst
So wie er tatsächlich ist
Wer sich selbst ganz gibt
Empfängt die Wahrheit über sein Selbst –
Ob er sich dann vergibt?
Wer sich ganz zurück hält
Der gibt und empfängt das Gleiche selbst
Ob es ihm oder nicht gefällt
Und der, wer sich verstellt
Empfängt ein Zerrbild von seinem Selbst
Und von seiner und der ganzen Welt
Wir treffen uns
Wir trennen uns…
Ob wir uns je treffen?
Ob wir uns je trennen?
Auf Wiedersehen
Auf Nimmerwiedersehen
Denn wir werden nie wieder dasselbe sein
Was wir heute waren und heute allein.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
IN EINANDER
Wenn jeder Mensch
Der einst Audienz
Bezog in meiner Existenz
Einer Buchseite gleicht
Markierung einer Sequenz
Bin ich Geschichtenreich
Genau das, was Du leise ahnst.
Ja, ich bin weich. Sehr weich
Meine Seele ist ein Teich
Bloß nur sehr tief, sehr breit
Die meisten kommen gar nicht weit
Doch tauchst Du lang genug
Mit Geduld, immer Geduld
Wirst Du meinen weichen
Boden irgendwann erreichen
Falls Du noch atmen kannst.
– Che Chidi Chukwumerije
AUS
Menschen ziehen ein und aus
Mein Herz ist mein Haus
Wir sagen auf Wiedersehen
Und meinen auf Nimmerwiedersehen.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
