MONDWEIN

Ich atme den Abend ein
Küsse Dich in kleinen Mengen
Du bist mein Abendwein
Antwortest mit kleinen Klängen

Nach so vielen rauen Tagen,
Sollen wir nun Gute Nacht sagen
Der Welt und all ihrem Unbehagen?

Gute Nacht, dunkle Nacht,
Du hast den Mond in mir entfacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IN DER NACHT

Das Licht scheint am Hellsten in der Nacht,
ich weiß nicht warum, vor allem nach Mitternacht.
Die Menschen sind am unsichtbarsten tagsüber,
maskiert, abwesend, verlogener, härter, trüber.
Brauchen wir das Dunkel um Licht zu sein?
Steinharte Herzen schmelzen bei Mondschein,
was vorher Weh tat, wird noch schmerzvoller,
die Empfindung wird empfindsamer, das Herz voller,
Umarmungen werden länger und immer länger
und enger, und enger, und enger, und enger.
Und die, die beten, stellen mit Erleichterung fest,
daß das Gebet wahr ist, eher es ihre Brust verlässt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung