UNSERE WÄLDER

Am Schönsten ist nicht immer am Tiefsten.
Vorsicht: Wen nennst Du da Deinen liebsten?
Ein schönes Gefängnis ist ein Gefängnis;
Freiheit ist die schönere Schönheit,
Alleinsein ist besser als Einsamkeit,
Ein goldener Käfig ist ein Käfig.

Wenn der Wald in mir anfängt zu reden,
Versteht der Wald in Dir? Oder ist Dein Eden
Hort eines anderen Baums der Erkenntnis?
Eine andere Eva, eine andere Schlange,
Ein anderer Adam. Eine andere Wange
Spürt Deine Tränen, mit mehr Verständnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNIFORMEN

Die Uniformen
Verdecken die Unterschiede lang genug
Bringen ihre Träger einander nah genug
Um die Unterschiede klar genug zu sehen
Jetzt sind sie fassbar genug zu verstehen
Hinter den Normen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

PLATZ HABEN

Die Richtungen zogen durch uns
in entgegengesetzte Persönlichkeiten.
Kein Punkt, daß wir immer noch
im selben Wunder zusammen schreiten.

Sind wir im Laufen uns gekreist oder
bewegen wir uns im Sein und Habe-nicht?
Bin ich hier der Platz, der fehlt? Ein
deutscher Geist mit Schwarzem Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SUCHMASKEN

Gesellschaft im Wandel
Wer hat sich geändert?
Ich nicht. Du nicht. Sie nicht.

Wer dann? Wer plündert
Erinnerungen von Skandal
Formt daraus ein neues Gesicht?

Eine neue Sicht alter Masken
Als hätte sich gewendet
Das Blatt gegen den feigen Vandalen

Ich sehe keinen Wandel
Kein Blick bricht hindurch –
Nichts durchbricht die Schutzmasken.

Bist auch Du in die Welt ausgebrochen Um sie zu verändern?
Bist auch Du in die Masken eingebrochen
Auf der Suche nach dem uns Verbindenden?
Und fragst Dich heute: Habe ich es
Noch nicht gefunden?
Oder bin ich zu stolz, um zu akzeptieren,
Es ist noch keinem gelungen?
Weil es es nicht gibt.
Es gibt nur Liebe oder nichts.

Che Chidi ChukwumerijeB
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung