ALLTAG

Du wandelst jenseits der Poesie
Und bist tiefer, noch tiefer als sie
Unbeeindruckt durch Philosophie

Das Dichten macht mich innerlich zart
Ich dachte, ich bräuchte die Gleichart
Doch nein, ich brauche Deine Gegen-Wart

Einfache Dinge, Dich, die zwei Kinder
Die tägliche Routine, Ruhe, nichts minder
Wenn Liebe blind macht, bin ich blinder

Du bleibst die Eine, die ich wirklich mag
Wirklich liebe, stehender Hochzeitsantrag
In Deiner Nähe finde ich meinen All-Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR KENNEN UNS

Die Nähe war nimmer so fremd
Wie Zuhause
Das Fremde war nimmer so vertraut
Wie in der Weite
Weite Welt, wo
Aus jedem Augenpaar heraus
Das bekannte Gefühl mir gestand,
Wir kennen uns besser und inniger
Als die Distanz zwischen uns je
Vermuten ließe
Im Guten, im Schlechten, im Fremden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE EINMAL

Das innerste
innerlichste
intimste
Eindringen
Wieso geschieht das so oft
ohne einmal einen Kuss
oder Berührung
Nur Worte
und Augen-blicke
die alle Sicherheitskontrollen
mühelos passieren
und Dich erreichen
entwaffnen
besiegen.

Und eine unstillbare
Sehnsucht
hinterlassen
nach dem Unbekannten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WORTE KOMMEN WIEDER ZURÜCK

Wie Worte überleben
Wie sie Schweigen überdauern
Und wieder auftauchen
Wie U-Boote, wie sie lauern
Bis Herzen sie wieder brauchen
Um sich gegenseitig zu vergeben.

Wie Worte hartnäckig überleben
Geformt als Texte mit festen Bedeutungen
Halb-geformt als im Blut gefühlte Gedanken
Ungeformt als feine Kern-Empfindungen,
Wie altes Geld in und aus alten Banken
Ihr Reichtum irgendwann wieder - und weiter - geben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE DISTANZ IN DER NÄHE

Ein guter Gedanke,
wenn er sich auf den Weg macht
in der Welt der Gedanken, kommt er weit?
Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen
noch bevor er den nächsten Menschen erreicht?
Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof,
wo vieles lautlos stirbt und begraben wird,
bevor es Dir überhaupt einfällt.
Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor
alle dicht nebeneinander stehend
doch weder Worte noch Gedanken schaffen es
die Distanz in der Nähe zwischen uns
zu überwinden
und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken
als den besseren Weg zu empfinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERTRAUT KRAFT ENTTÄUSCHUNG

Zusammen bringen sie Illusionen
und wenn sie die Wahrheit finden,
sind es jetzt geteilte Enttäuschungen,
die sie noch inniger verbinden.

Der Schmerz soll in ihnen brennen,
ihnen die Wahrheit über sich verleihen;
Sie sollen die Wahrheit kennen
und die Wahrheit wird sie befreien.

Nichts ist schöner als frei zu sein
und in Freiheit die Freiheit zu teilen;
Zu sagen Du bist nicht mein und ich nicht Dein
aber wir wollen für immer miteinander weilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE ERINNERUNG

Bist Du noch bei mir?
Manchmal vergesse ich,
in meinem Gedächtnis nach Hinweisen
nach Dir rum zu hören -
Das ist das Enigma des Gedächtnisses:
Es erinnert Dich nicht daran,
daß es es gibt.
Daran musst Du Dich selbst erinnern.
Erst danach schaltet es sich ein,
ohne Garantie.
Er vergisst neue Begegnungen und neue Namen
aber der erste Kuss, die erste Liebe,
der erste Tod, der erste Schmerz,
und manch ein Geschehen weit zurück
in der Vergangenheit,
egal wie weit, sie fühlen sich noch so an
als wären sie erst gestern geschehen.
Die erste Sehnsucht lebt am längsten
im Herzen der Erinnerung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung