MÄRCHEN

Ich hatte Lust auf sie
Habe unterschätzt nicht sie
Sondern die Macht unserer Chemie
Bis ich ihr machtlos erliegen war

Nicht ihr, sondern der Chemie
Und fort an, überall, suchte ich sie
Nicht sie, sondern diese magische Chemie
Die nie wieder zu finden war

Denn 16 ist man nur einmal
Und es war schon einmal.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

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ZÖGERT NICHT ZU LANG

In eine Person langsam, allmählich
Hinein zu gelangen, vorsichtig, umsichtig
Neugierig, doch ohne Hast, uneilig
Immer nah zu sein, wenn sie ein Blatt wendet
Ruhig lesen, aufnehmen, auf mich wirken
In mir arbeiten lassen, die Distanz zwischen uns
Kleinschrittweise schließend, unmerklich
Unaufgeregt, als wäre nichts, und bis ich endlich
Sie ganz vorbereitet habe für den Gnadenschuss
Ist das Leben schon vorbei, es folgt der Abschiedsgruss
Und der Schmerz über den nie geteilten Kuss.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

DEIN LEBEN IST MEIN GEDICHT

Morgen schreibe ich Dir ein helles Gedicht
Denn Deine wolkigen Augen schreien nach Licht
Doch Herzen brechen ist wohl des Dichters Pflicht
Und heute Nacht bist Du dran

Gnadenlos und hungrig, ein harter Bösewicht
Dürstig und dürftig, bis Dein Herz zerbricht
Dringe ich immer tiefer ein in Deine intimste Einsicht
Bis ich Dein Wissen hab aufgetan

Ich will Dich enttarnen Schicht für Schicht
Will wissen, was Du weißt und ich noch nicht
Will Welt und Schmerzen und Sehnsucht sehen aus Deiner Sicht
Denn die Frau führt den Mann

Und verzehrt ihn langsam wie das letzte Gericht
Und zerdrückt ihn innigst mit ihrer Empfindung Gewicht
Und entlockt ihm morgen ein helles Gedicht
Und verschluckt ihn irgendwann.

– Che Chidi Chukwumerije.