ABENDS

Ich brauche es
abends
in die Leere meiner Seele
lange zu blicken

und dann
nach einer Ewigkeit des Wartens
zu sehen, wie mein Geist von tief drinnen
Bilder an mich zurück schickt

Alles, woran
ich heute flüchtig dachte
ohne zu merken, daß ich daran dachte
es kommt alles zurück

Flüchtlingskinder, die
vergeblich auf ihre Eltern warten…
Ob meine Kinder – und womit –
geimpft werden

Ab wann Ausländer – egal wo –
Wahlrecht haben dürfen…
Und wo ist mein Bruder heute, der
vor sechsundzwanzig Jahren starb?

Dann ist der Abend vorbei
und ich steige aus meiner Seele
wieder heraus
und das war mein Tag heute.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung