WIR SIND ERNEUERBAR

Wenn nicht Sonnenblumenöl
Dann Rapsöl eben
Raps wächst in Deutschland

Wenn nicht Erdöl
Dann Erdwärme halt
Tief unter uns ist es warm
In uns brennt ein unbändiges Herz

Wenn nicht Steinkohle
Dann Wasser, Wind und Sonne
Die haben wir auch -
Das, was uns ausbremsen soll,
erneuert uns, stoßt uns nach Vorne.

Mut zum Zusammenhalt
Ideen für Veränderung
Alles haben wir, nur keine Angst.
Die Gegenwart ruft: Nutzt die Chance,
Haftet Euch nicht an der Vergangenheit;
Passt Euch der Zukunft an.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MUTTERMEER

Das Leben stieg aus dem Wasser heraus
Und machte sich auf dem Lande Zuhaus –
Und jeder See,
an dem ich sinnend steh –
Jeder Fluß,
an dem ich entlang laufen muß –
Am Meer,
am besten Strand ernst und leer –
spüre ich, wie das Leben in mir
zurück gezogen wird, Geburtsort, zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELLEN

Das Geräusch der Wellen
Im Gespräch mit den Ufersteinen
Uralte Liebesgesellen
Flüsternd lachen und weinen
Erd-Wasser Intimrituellen
Meine in Deinen, Deine in meinen
Intellektuellen sozialen sexuellen Naturellen
Ich spüre Dich zwischen meinen Beinen…

Raunt Land zum Wasser
Und Wasser zum Land
Süßwasser und Salzwasser
Regelmäßig gedrückt gegen Felsenwand
Mit festem Herz und fester Hand.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MICHSELBST

Bach
Ach, nimm mich mit
Und nimm mich fort
Bis in die Tiefe
Unausgesprochener Gedanken.

Rette mich vor der Oberfläche
Bei so viel Luft kann ich kaum atmen.

Daß ich so lange dachte
Ich rede mit deinem Inneren –
Dabei spiegeltest du nur Michselbst wider
Und ich wußte es nicht –
Armer ich, armer ich.

– Che Chidi Chukwumerije.

TRANS-PARENT

Es hat eine alte Erkenntnis heute bei mir sich wieder bestätigt. 99% schaffst Du selber. Das letzte Stückchen jedoch liefert stets ein anderer. Du stellst ein Bild zusammen – und ein anderer erkennt es wieder und zeigt Dir, was das ist.

So schrieb Puzzleblume heute als Kommentar zu meinem Gedicht “Time Stands Still”:

“My sudden idea coming up with the suggested image was “trans-parent” – in Worte übertragene Sinne sind manchmal kaum zu fassen, aber erschaffen übertragbare, plakative Bilder: ein eigenartiges, schönes Phänomen.”

Und da war das Wort, der Begriff, den ich seit Monaten gesucht, empfunden und doch nicht gegriffen habe, auf einmal da. Das Wesen, gar der Geist, meiner Dichtung.

So einfach, so schön. Vielen vielen Dank!

Es gibt einen Stammbegriff, ein Urbild, einen Anfang und Ausgangspunkt, den Parent. Er lebt im Erzeugten weiter und gibt sich im Bilde wieder, das zum Schluß entsteht, dort wo der Betrachter am Ende ankommt. Er ist zugleich Anfang, Weg und Ziel; Geber, Mittler und Empfänger. Er fängt als verborgener Samen an und klärt sich auf dem Entfaltungsweg zum Gebilde.

Er klärt sich, erklärt sich nie. Er öffnet, vermittelt und zeigt sich so, wie er ist.

Er ist trans-parent.

Che Chidi Chukwumerije.


(PS – Nicht lachen, aber wie zum Teufel soll ich das jetzt auf englisch übersetzen? Ein bißchen Schwund ist immer. Englisch ist meine erste Sprache, deutsch – meine dritte –  habe ich erst mit 19 gelernt. Aber es gibt Dinge, die kann ich nur auf Deutsch richtig sagen. Das verstehen viele nicht und halten mich für strange. Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag…

Ich glaube, ich nehme einfach irgendwann neuen Anlauf und drücke es in meinen anderen Sprachen auch völlig anders aus. Denn beschreiben darf ich es nicht, umschreiben noch weniger, wenn es trans-parent bleiben soll. Ein bißchen Schwund ist nimmer.)

START

AM MAIN

Ich verschwinde manchmal
In meine schwimmende Reflektion
Mein ungewisses Mahnmal
Aufs Neue lallend Denk mal
Am Wasser neige ich zur Konfession.

Ich bin dann fremder Gast
In meiner eigenen Seele
Andere Passanten ahnen fast
Den schweren Strom der Last
Der gewürgten Beichte in meiner Kehle.

Aufschauend durch die Flusswellen dieses Gewichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes.

– Che Chidi Chukwumerije.