Wein und Eure Stimmen
warm und weich und laut
und sanft und geht mir
unter die Haut.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wein und Eure Stimmen
warm und weich und laut
und sanft und geht mir
unter die Haut.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Ich atme den Abend ein Küsse Dich in kleinen Mengen Du bist mein Abendwein Antwortest mit kleinen Klängen Nach so vielen rauen Tagen, Sollen wir nun Gute Nacht sagen Der Welt und all ihrem Unbehagen? Gute Nacht, dunkle Nacht, Du hast den Mond in mir entfacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Abend ist wie Wein Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse Ich lach, ich wein Ich erinnere mich an meine Versäumnisse Ich war niemals allein Ich war immer allein Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Deine Worte schmecken mir heute Abend wie der Rotwein, der sie ausgelöst hat, und der - noch schöner - meine Ohren geküsst, aufgeweicht und geöffnet hat. Ohren in Zungen küssen Zungen in Ohren, labend. Wein und Blut und Fleisch, rot findet statt. Wanderlustige Worte tun fließend hineinbohren in das, was der Abendwein geöffnet hat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Manchmal musst Du gelebt haben
Und gestorben sein
Um den Herbst zu verstehen
Um genüßlich Dich an trocknem Wein
Nachdenklich zu laben
Am Abend Deines neuen Seins
Weder dem Sommer nachsinnen
Noch den Winter vorspinnen
Nur Herbst in Dir singen lassen
Und wenn Du äußerlich unbeweglich scheinst
Denn nur weil Du der erwachsen gewordene
Stabile ruhige Krug
Der alles ertrug, geworden bist
In dem heute die tobende Brandung
Ihre Verankerung sucht.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Die Wirkung des Weins
Gleicht der der Dichtung
Das Bewusstsein des Seins
In ganz neuer Belichtung
Zu offenbaren
Ich trinke weder Bier noch Wein
Dafür jede Nacht
Erhellt und berauscht mein Bewusstsein
Aus der Empfindung ausgedacht
Dichtung neugeboren
Höre auf Deine Innere Stimme
Lerne zu erkennen
Das Dir Nützliche, Dir Gute,Dir Schlimme
Und Dich zeitlich zu trennen
Vom Trennbaren.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Ich wagte es
Bis zur Grenze meiner Persönlichkeit heute
Und kehrte überrascht zurück
Denn wo einst
Herrschte Traurigkeit, gärt nun die Freude
Gefühlt unverdientes Glück
Ein Darlehen
Daß sich nur dann und unendlich vermehrt
Wenn ich es ausschenkend weitergebe
Nur geschnitten
Wachse ich ganz, blutig überlebe unversehrt
Gepresst bin ich die beste Rebe.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung