SCHREIENDE GEDANKEN

Der Lärm der Gedanken ist lauter –
Warum schreien sie so laut?
Wissen sie nicht,
Gedanken gehen uns tief unter die Haut?

Denken sie, daß keiner sie hört?
Wer weniger laut schreien will,
muß endlich was sagen –
Laß es äußerlich raus, werde innerlich still.

Denn der Lärm der Gedanken ist lauter
als alles Gerede der Welt
Und am Lautesten wenn die Menschheit
In gehorsames Schweigen fällt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN DIE SEHNSUCHT STIRBT

Irgendwann habe ich keine Worte mehr
um über den Tod der Sprache zu singen;
Irgendwann macht es keinen Sinn mehr,
dem Fehlen von Sinn Aufmerksamkeit zu bringen;
Irgendwann gibt es keine Sehnsucht mehr,
und keiner wird es wahrnehmen wollen;
Denn ohne die Sehnsucht wird ihr Vorhandensein keiner wahrhaben wollen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AM ENDE WAR DAS WORT

Es blutet als wäre ich gebissen worden
von meiner Zunge. Aber, … zu spät.
Die Worte sind schon Messer geworden.
Hilflos schaue ich zu, wie das Blut
scharf wird und außer Kontrolle gerät.
Ich lecke Wut. Es schmeckt nicht gut.
Zu schnell geantwortet.
Langsam, viel zu langsam verantwortet.
Am Ende war das Wort.
Das alles beendende Wort.

Che Chidi Chukwumerije (28.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUS SPRACHE WIRD LEBEN

Die Schönheit der Sprache
Ein in Worten unfassbarer Lichtblick
Aus einem Augenpaar ausgeschickt
Wie der erster Tag hell und schön ausbrach
Einst beim Es Werde Licht

Und es ward eine schöne Sprache
Denn Gott war in seinem Wort am Anfange
Schmetterlingsfarben entfalten Klang
Und Freude und noch mehr Freude danach
Nach dem Es Werde Sicht

Denn wir sprechen mit Augen
Und sehen mit Worten der Sprache
Die Schönheit bei gütigem Lachen
Wozu gute Worte wirklich taugen
Nämlich: Es Werde Gedicht.

Und die Schönheit der Sprache
Liegt im Nebenklang und im Nachhall
Und in den Pausen neben leerem Schall
In Verantwortung, weil Worte machen.
Und Es Werde Gericht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GESCHWEIGE DENN

Ich befinde und bewege mich plötzlich an einem Ort jenseits von Worten, und wie ich hierher gelang, kann ich nicht sagen.

Auf einmal sehe ich die Welt anders und so wie ich sehe, lässt sich nicht in Worte drücken, geschweige denn über Worte zum Ausdruck bringen.

Empfindungen. Bilder. Begriffe. Aufnehmen. Wissen. Lieben. Schweigen.

Che Chidi Chukwumerije.

DICH WIEDERGEBEN

Eine Sprache ist nicht einfach eine Sprache
Eine Sprache ergibt sich nicht aus den Worten einer Sprache
Sondern die Worte ergeben sich aus der Sprache –

Eine Sprache ist eine Art zu sprechen
Eine Art zu sprechen ergibt sich aus einer Art zu denken
Eine Art zu denken ergibt sich aus einer Art wahrzunehmen

Eine Art wahrzunehmen ergibt sich aus einer Art zu empfinden
Eine Art zu empfinden ergibt sich aus einer Art zu leben
Eine Sprache ist also eine Art zu leben.

Dein Leben entspricht Dir…
Es spricht sich herum…
Keine zwei Menschen sprechen die genau selbe Sprache

Deine Sprache ist Deine Mutter, sie ergibt Dich…
Meine Sprache gibt mich wieder
Meine Aussprache bin ich –

– che chidi chukwumerije.

ROLLENTAUSCH

imageWie riecht die Farbe lila?
Wie klingt softe Vanilla?
Wie sähe er aus
Zöge ein Gedanke von dir aus
Als wärest du sein Haus?

Auf die Kleinigkeiten, gib Acht
Jedes schmeckt anders, wenn es lacht
Anders als geplant oder gedacht
Wie Machenschaft, Machen und Macht.

– Che Chidi Chukwumerije.



ps – die letzte Zeile dieses Gedichts schwebte bereits seit einigen Tagen in meinem Kopf. Die Zündung kam dann von unerwarteter Seite. Die siebte Frage einer Tagging-runde von der Bloggerin Sinn.Wort.Spiel brachte auf einmal den Ball ins Rollen… 🙂
Ich stufe dieses Gedicht wegen ihrer direkten zündenden Frage “Wie riecht die Farbe lila?”, die zum Anfang des Gedichts wurde, zumindest als halb-duett ein 🙂