DIE WORTE KOMMEN WIEDER ZURÜCK

Wie Worte überleben
Wie sie Schweigen überdauern
Und wieder auftauchen
Wie U-Boote, wie sie lauern
Bis Herzen sie wieder brauchen
Um sich gegenseitig zu vergeben.

Wie Worte hartnäckig überleben
Geformt als Texte mit festen Bedeutungen
Halb-geformt als im Blut gefühlte Gedanken
Ungeformt als feine Kern-Empfindungen,
Wie altes Geld in und aus alten Banken
Ihr Reichtum irgendwann wieder - und weiter - geben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE DISTANZ IN DER NÄHE

Ein guter Gedanke,
wenn er sich auf den Weg macht
in der Welt der Gedanken, kommt er weit?
Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen
noch bevor er den nächsten Menschen erreicht?
Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof,
wo vieles lautlos stirbt und begraben wird,
bevor es Dir überhaupt einfällt.
Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor
alle dicht nebeneinander stehend
doch weder Worte noch Gedanken schaffen es
die Distanz in der Nähe zwischen uns
zu überwinden
und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken
als den besseren Weg zu empfinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IM HINTERGRUND

Die einen schreiben unsre Gedanken nieder
Die anderen geben unsere Worte wieder
Noch andere singen unserer Empfindungen Lieder
Aber sie sind uns unsichtbar,
Uns ungreifbar, von uns unvernichtbar,
Im Karmakreislauf unverzichtbar.
Unsere Welt lebt und webt in zwei Welten.

Manch ein Dejavu, manch ein Un-fall,
Schicksalhafte Begegnungen per Zu-fall,
Erstaunliche Erkenntnisse durch Ein-fall:
Uns traf es vielleicht unvorbereitet
Aber jemand oder etwas hat es vorbereitet,
Mit unsren Taten als Zutaten es uns zubereitet.
Zwei Welten, und wir merken es selten. 

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHREIENDE GEDANKEN

Der Lärm der Gedanken ist lauter –
Warum schreien sie so laut?
Wissen sie nicht,
Gedanken gehen uns tief unter die Haut?

Denken sie, daß keiner sie hört?
Wer weniger laut schreien will,
muß endlich was sagen –
Laß es äußerlich raus, werde innerlich still.

Denn der Lärm der Gedanken ist lauter
als alles Gerede der Welt
Und am Lautesten wenn die Menschheit
In gehorsames Schweigen fällt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WORTFLUCHT

Wie Besucher
deren Aufenthalt leise zu Ende ging
verschwinden unmerklich Worte
ohne Abschied
aus dem Gedächtnis
Spurlos
als wären sie nie da gewesen.

Und doch waren sie einst da –
Die Lücken beweisen es.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bild von Kranich17 bei Pixabay

WENN DIE SEHNSUCHT STIRBT

Irgendwann habe ich keine Worte mehr
um über den Tod der Sprache zu singen;
Irgendwann macht es keinen Sinn mehr,
dem Fehlen von Sinn Aufmerksamkeit zu bringen;
Irgendwann gibt es keine Sehnsucht mehr,
und keiner wird es wahrnehmen wollen;
Denn ohne die Sehnsucht wird ihr Vorhandensein keiner wahrhaben wollen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JEDES WORT

Es schlummert unüberhörbar
In jedem Wort ein Gedicht –
In jedem einzelnen Wort …

Denn jedes Wort ist ein Wörterbuch
Ein Hörbuch
Und der Poesie ein Hort

Dein Wort redet für Dich
Und redet für sich
Im stillen schönen inneren Ort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AM ENDE WAR DAS WORT

Es blutet als wäre ich gebissen worden
von meiner Zunge. Aber, … zu spät.
Die Worte sind schon Messer geworden.
Hilflos schaue ich zu, wie das Blut
scharf wird und außer Kontrolle gerät.
Ich lecke Wut. Es schmeckt nicht gut.
Zu schnell geantwortet.
Langsam, viel zu langsam verantwortet.
Am Ende war das Wort.
Das alles beendende Wort.

Che Chidi Chukwumerije (28.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUS SPRACHE WIRD LEBEN

Die Schönheit der Sprache
Ein in Worten unfassbarer Lichtblick
Aus einem Augenpaar ausgeschickt
Wie der erster Tag hell und schön ausbrach
Einst beim Es Werde Licht

Und es ward eine schöne Sprache
Denn Gott war in seinem Wort am Anfange
Schmetterlingsfarben entfalten Klang
Und Freude und noch mehr Freude danach
Nach dem Es Werde Sicht

Denn wir sprechen mit Augen
Und sehen mit Worten der Sprache
Die Schönheit bei gütigem Lachen
Wozu gute Worte wirklich taugen
Nämlich: Es Werde Gedicht.

Und die Schönheit der Sprache
Liegt im Nebenklang und im Nachhall
Und in den Pausen neben leerem Schall
In Verantwortung, weil Worte machen.
Und Es Werde Gericht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MUSIK SEIN

Das Gesagte ist nur halb gewagt
Den Rest lass Sein.

Che Chidi Chukwumerije