BLÜTENSTIEL

Bin ich sentimental
Oder empfindlich? Ich nehme
Geburt und Tod in tausend Dingen
Täglich war – Ob ich zu sehr mich sehne?

Ich nehme wahr, wie wir
Menschen vieles ohne Worte wahrnehmen
Doch entweder fehlen uns die Worte
Oder der Mut, um es preis zu geben

Wer geht denn gerne in die Tiefe?
Wer ist mutig genug? Uneitel genug?
Wer wird der verwundbare Erste sein
Ins Land der Wahrhaftigkeit zu wagen Einzug?

Die Verwundbarkeit, sie eint uns
Sie ist’s, was wir mit einander teilen
Alle Menschen wissen mehr
Als sie es je wagen würden, zu zeigen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Mein Jahr der deutschen Dichtung

UNVOLLENDET, MANN

Stark sein müssen
Ist des Mannes Fluch
Wer verzeiht denn dem schwachen Mann,
Der scheitert trotz mehrmaligem Versuch?

Sein Stolz tötet ihn doppelt
Und als wäre das nicht genug
Die Erwartungen der Gesellschaft
Schleppt er mit im Zug

Ich halte hier inne –
In seiner Dunkelkammer drinne
Sieht er alles Negative in einem anderen Sinne…

Aber er kann es keinem erklären
Ohne wie ein Bettler zu erscheinen
Er ist ein Mann, er muß weiter laufen
Und sterben auf seinen zwei Beinen.

– Che Chidi Chukwumerije

Mein Jahr der deutschen Dichtung
Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

BERÜHRUNG

Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung

Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling

Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang

Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng

So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.

– Che Chidi Chukwumerije.