ANGEHALTENER ATEM

Die Bilder, die uns hätten mahnen sollen,
ernteten uns, und siegessicher, Erlahmung

Die Bilder, die uns hätten warnen sollen,
signalisierten stattdessen Entwarnung

Die Bilder,
die uns an vergangenes Übel erinnern sollten,
angeblich wilder,
lenkten uns vom heute begangenen Übel ab,
anscheinend milder.

Doch Fremdenhass kommt heute
niemals angekleidet wie gestorbene Leute –
Er zieht T-Shirts von heute an
sieht cool aus, normal, aufgetan
und tanzt im Club dann und wann.

Hass braucht keinen Grund, zu hassen.
Dein Dasein ist ihm Boden genug.
Generation für Generation wächst seine Ungeduld.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEISER HASS

Der Hass ist aufgeblüht
und riecht an unerwarteten Orten
– im unsichtbaren Herzen
manch einst geliebten
einst geschätzten Menschen
wird er unsicher gehortet
unruhig beobachtend, wartend
auf den rechtfertigenden Moment.

Der Hass ist aufgegangen
Das Herz steht schwarz und stillschweigend,
wahrnehmbar,
doch nicht mehr erreichbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER SELBSTTÄUSCHENDE RASSISMUS

Der Rassismus ist ein blinder Fleck.
Die rassistischsten merken es nicht
oder wollen es nicht merken;
In ihren Schwächen
preisen sie sich ihre Stärken;
Doch erkennen werdet Ihr sie
an ihren Werken:
Fremden weh tun ist versteckt ihr Daseinszweck.
Und das sind die Besten.
Was mag denn stecken in den Resten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERUNSICHERT UND HOFFNUNGSVOLL

Vertrauen
genug um mich zu trauen
aufzutauen
und zu vertrauen

Wenn Kokon meine Welt ist
und Schmetterling mein unklarer Traum
wie komme ich ohne Aussicht
auf den Gedanken „mehr Raum“ ?

Wann merke ich, daß das Ende
nur eine Grenze ist, die fallen kann?
Die ich öffnen kann dem Fremden,
denn er bietet mir seine Hand an.

Menschenfarben, von denen
ich seit gestern Ablehnung gewohnt bin
marschieren heute für mich in Tränen
rufend Black Lives Matter. Ist Echtes drin?

Es verunsichert und verwirrt mich.
Nervös warte ich auf morgen –
bereit, mich zu verlassen wieder nur auf mich –
bereit auch, neuen Wegen zu folgen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung