FERNE SIRENEN

In der Dichtung wirkt Magie,
denn kindliche Poesie umgeht
die schwer analysierende Energie
kopfgenagelter Akademie,
die zersägt und verdreht.

Klug. Die Menschheit ist so klug.
Zu klug für Einfachheit.
Der Verstand ist sich selbst genug,
doch niemals genug für den Höhenflug
innig feinster Innerlichkeit.

Manchmal nach beendetem Gedicht
starre ich aus dem Fenster.
Heute sehe ich Toronto‘s Gesicht,
leise Hochhäuser im milden Sonnenlicht
und ferne Sirenen wie Gespenster.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KREATIVITÄT

Der Mensch wurde nicht zum Fliegen gemacht
Dennoch fliegt er –
Also wurde er doch zum Fliegen gemacht?

Wieviele Wunder werden noch vollbracht?
Wieviele Gedanken wurden noch nicht mal gedacht?
Wo der Verstand zweifelte, hat der Geist gelacht –
Denn immer siegt er.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZAUBER GEHT WEITER

Der letzte Tag des Jahres
Gern möcht ich denken, das war es
Doch ich weiß es besser, sicher
geht es weiter, nur ungewöhnlicher
als im scheidenden Jahr es schon war
Pandora‘s Buchse wurde geöffnet, fürwahr
Drum musst auch Du Dein Herz öffnen
Und Dich mit geistiger Zauberkraft bewaffnen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUF DEN ERSTEN

Du bist reingekommen
Du hast mir in die Augen geschaut
Ich hab Dir in die Augen geschaut
Und ich wusste.

Nur wusste ich nicht
Was ich wusste.
Jedoch wusste ich es.

Und ich wusste, daß ich es wusste.

Und so
Wie Du mich anschautest…
Wusstest Du auch
Daß ich es wusste.

Und ich wusste
Daß Du es wusstest.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

FREUE DICH

Die Freude ist der höchste Schatz der Welt. Der wahren Alchemisten Gold ist die Freude. Nicht jedes x-beliebige Material in Gold umwandeln wollten sie – sondern aus jeder Situation, in jeder Lebenslage, aus jedem Schicksal, und dem Leben selbst die Freude abgewinnen. Leid in Freude umwandeln – das ist Gralzauber. 

Wem Du das Leben schön machen willst, schenk oder ermögliche ihm die Freude.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGANA

Einst war es, ob du dich
Noch dunkel daran erinnerst
Kühlte ich regelmäßig mich
Im Fluße deines Innerst

Meine brennenden Schreibfinger
Fanden da drinnen Linderung
Meine unruhige Flammenzunge
Schwieg vor lauter Bewunderung

Und mein Sturm, wie ein Wüstenfürst
Stillte drängend heiß seinen Durst

Danach entstieg dem Zauberhain
Und schwebte dünn in der Luft
Stärker und süßer als Dunkelwein
Ein tiefer, wunderbarer Duft

Wie oft blieb ich trunken stehen
Schaute mich in deinem Garten um
Versuchte, Magie zu verstehen
Und wurde, selbstverständlich, stumm.

War das alles wirklich passiert?
Oder nur geträumt? Oder…

– Che Chidi Chukwumerije.

VERGEBUNG

Er träumte, er trank Feelichter
Aus einer Blumenschwelle
Übersprudelnd mit Lachschorle
Errötende Rosé–Dämmerhelle
Sehnflucht ergriff sein Herz
Es zuckte wie singende Schelle

Dann flog er fort wie Morgenröte
Erhellte jede grübelnde Stelle
Wo Traurigkeit ihn einst getröstet
Erweckte er eine leise Freudenwelle
Durch Vergabe geteilter Weintränen
Aus seiner neuen Sehnsucht Quelle.

– Che Chidi Chukwumerije.