Du musst die Zeit haben
Um die Zeit zu vertreiben
Du musst die Leere in Dir tragen
Um Dich an der Leere zu zerreiben
Du musst die Liebe spüren
Um die Liebe zu hassen
Du musst zu Deinem Schmerz gehen
Um Deinen Schmerz zu verlassen.
Wer hat hier gelebt geliebt
In Frieden im Krieg
Brunnen und Mauer gebaut
In die Augen seiner Geliebten geschaut
Gebeten, gelacht
Über die Zukunft nachgedacht
Gehofft, Freude und Angst gespürt
Das Herz seiner Mitmenschen gerührt
Und für diesen Ort sein Leben
Ohne Zögern gerne gegeben
Hier gealtert, an Gott geglaubt
und sein Körper hier zurückgelassen
als er mit Fragen in seinem Herzen starb?
Denn auch er mußte eines Tages fort?
Wo ist er heute?
Weiß er, daß ich über die Reste
seines geliebten Heimatdorfs
nachdenklich spaziere
und mich frage, was aus seinem Geist
geworden ist?
Warte ab
Die Zukunft braucht noch eine Weile
um sich neu zu formen…
Drum, bleibe noch länger in der Gegenwart
und laß das Kommende in Ruhe gären…
Seit wann bist Du der neue Mensch, der
Du nun geworden bist?
Du hast Dich zu schnell geändert
für Dein Schicksal
Dein Pfad braucht noch Zeit, zu reagieren…
Freunde werden in den Herzen Deiner Feinde geboren
Feinde werden hinter dem Gesicht Deiner
Freunde geformt
So ist der Weg der Welt – daß
Vieles lang äußerlich ganz anders aussieht
als es innerlich tatsächlich ist.
Die Zukunft ist hinter mir her
Ich laufe so schnell wie ich kann
Ich laufe weg von ihr
Sie ist meine alte Zukunft, die ich mir einst ersann
Ich will sie nicht mehr
Jetzt baue ich mir schnell eine neue Zukunft –
Doch meine Zeit ist fast um. Reise ohne Ankunft?
Da ist viel mehr Zeit innerhalb eines Tages,
als wir vermuten.
Zeit genug, um mehr zu erfüllen, als wir oft versuchen.
Zeit genug, um alle zu lieben, die wir lieben wollen.
Doch nicht Zeit genug, falsch zu gehen und wieder zurück zu kehren.
Dafür musst Du nach einmal leben.
Drum: widme Dich heute allem,
was Dir lieb und teuer ist.
Zeit für mehr hast Du nicht.