Mehrere unfertige Gedanken kamen heute, scharen sich seit Stunden eng um mich wie fremd duftende, dürftige, durstige Leute, erzählen aber erstmal recht wenig über sich. Ich könnte sie ablehnen und zurückweisen, doch heiße ich sie vortreten und prüfe sie, dann lasse ich sie an meinem Innern speisen, sie futternd, ergänzend, damit ich sie groß zieh. Dann geschieht plötzlich das Wunderbare: Gestaltwandler, sie nehmen neue Formen an: Der Tiefe, der Hohe, der Kluge, der Sonderbare: Inhaltswandler, sie führen mich an Neues heran. An neue Denkungsweisen und neue Fragen, an neue Zusammenhänge und Erkenntnisse, die alle dennoch eine alte Weisheit in sich tragen: Zusammenschluss erzielt die besten Ergebnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Zusammenschluss
DURCH MUT ZUR MENSCHLICHKEIT
Wie wird aus Mehreren Einer? Ist das schwer? Wie wird aus Mehreren Keiner? Ist das nicht schwerer? Wie kann eine Gesellschaft so blind sein daß sie ihre eigene Vielfalt missversteht? Mutige Menschen, es kann nicht sein, daß Ihr schweigsam bei Seite steht während Mitmenschen-Verneiner spalten uns durch Fremdenfeindlichkeit. - Wie wird aus Mehreren Einer? Durch Mut zur Menschlichkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
COMMUNITY
Community Weil wir sonst noch unsichtbarer werden Community Weil wir sonst noch ungeschützter sind Community Weil wir sonst noch einsamer werden Community Weil wir eh bereits eine sind. Wir sprechen die selbe Sprache in allen Sprachen Und alle Sprachen in der selben Sprache Wir verstehen das Unausgesprochene Und sprechen das Unverstandene aus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BUND DER VIELFALT
Ich kann nicht mehr
Und genau hier
Setzt Du an, ab hier
Fängst Du an, woher
Du diese Kraft hast
Ist mir unbekannt.
Vermutlich ist das der Grund
Warum Menschen unterschiedlich sind:
Damit wir durch Menschenbund
Uns gegenseitig lindern, wo wir wund sind
Und zusammen das erreichen
Was dem Einzelnen droht zu entweichen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FAMILIENFRIEDEN
Brüder kriegen gegen und töten einander - so kommt es mir vor. Die selben Gesichter. Denn bis der Krieg anfing, dachte ich immer, Russen und Ukrainer seien Geschwister. Was bedeutet Familie noch?, frage ich mich. Bevor er starb, sagte mir mein Vater, leise: Wenn Ihr alles verliert außer Einheit und Frieden, habt Ihr alles Notwendige für die Reise. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICHBERECHTIGUNG
Es wird langsam Zeit
zu gehen nicht mehr allein
sondern zusammen, zu zweit,
Dein linkes ist mein rechtes Bein.
Es ist soweit
zu schlagen nicht mehr getrennt
sondern zu mehrt in Tapferkeit
weil Euer Herz in meinem brennt.
Wer ist bereit
zu vertrauen und Liebe zu wagen?
Ich gebe Dir treu Begleit;
öffne Dich, trete hervor; nicht zagen.
Die Welt liegt im Streit
mit dem Ringen selbst nach Freiheit.
Gute Geister, schreit Frieden, schreit!
Wir haben keine Angst vor Gleichheit.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANDERS SEIN
Wir wollen alle das Gleiche
deshalb muss jeder was anderes machen –
Macht jeder das Gleiche,
wollen wir alle unterschiedliche Sachen.
Nie werden die Jahreszeiten
sich gegenseitig nachahmen oder gleichen –
Denn alle wollen das selbe vorbereiten,
So stellt jeder auf seiner Art die Weichen
Das Jahr wird immer rund sein:
Ein bisschen Freude, ein bisschen Schmerz,
Ein bisschen hart sein, ein bisschen wund sein,
Die Mischung macht das Menschenherz.
Und Du wirst Du sein, und ich ich
Und sehnen uns beide nach dem anderen
Wir wollen beide Liebe gegenseitig;
Das bekommt jeder nur in dem anderen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREFFPUNKT DER NATION
Irgendwo müssen wir uns doch treffen
Wenn nicht in der Musik, dann
in der Sprache
Wenn nicht in der Wirtschaft, dann
im Sport
Wenn nicht in der Kultur, dann
in der Geselligkeit
Wenn nicht in der Geschichte, dann
in unserer Hoffnung
Wenn nicht in Schmerz und Freude, dann
in Neugier und Sympathie
und Solidarität
Wenn nicht in der Vergangenheit,
oder in der Gegenwart, dann
in der Zukunft
Irgendwo müssen wir uns doch treffen
als Nation.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS VERTRAUTE WIR
Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.
Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VERKEHR
Die Biene, die von Blume zu Blume
Fliegt, nimmt jede Blume mit sich
Bald ist der Wald mit sich Selbst verbunden
Ihr Summen singt ein Freudenlied
Jedes einst besuchte Land
Haftet sich dem Flugzeug ewig an
Der Mensch ist ein Strahl
Formgeworden im All
Überall wo ich einmal war
Laß ich ein Teil von mir zurück
Ersetzte es in mir mit einem Stück
Fremden Wesens, fremden Leidens, fremden Glücks
Wo liegt noch die Grenze zwischen Ich und Wir?
Ferner und näher?
Wie definiert man das Wort „Ihr“?
Es führt irgendwann alles zurück zu mir.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
