BEISEITE

Lange nach dem ich meine Gitarre
Gespielt und wieder beiseite gelegt
Hatte, antwortete die Nacht, sanft, sachte
Und plötzlich. Geräusche. Die Nacht ist erregt
Dachte ich, als ich durchs Fenster dem Regen lauschte
Und dann roch ich sie, ihre milde Feuchte
Und roch sie noch lange nach dem der kurze Regen
Langsam, lautlos verschwunden war.

– Che Chidi Chukwumerije.

WHAT IS NIGHT?

image
What is night?
Who gave it eyes
To see my soul?

Who gave it ears
To hear my inner voice?
Who gave it the sense
To smell my fears?

What is night
After midnight?
Who gave it arms
To hold me?

Who gave it words
To answer
The questions in my soul.

– Che Chidi Chukwumerije.

Illustration “What Is Night?” by Swana van Schaardenburg.

MEINE GÜTE

Des Messers Klinge, heiß, scharf, zweiseitig
Ich komme nicht zur Ruhe – oder nur einseitig
Wie helfe ich am Besten dem Hilfsbedürftigen?
Ihn von seinem Leid erlösen, vielleicht ungereift?
Oder ihn leiden lassen, auf daß sein Leid ihn reift?

Meine linke Hand streitet sich mit meiner rechten Hand
Heißt ein Naturgesetz zu gehorchen
Ein anderes zu brechen?
Gewissen, Vernunft, Empfindung, Gefühl, Verstand
Wie kann man dem Gesetz gehorchen
Ohne das Herz zu brechen?

– Che Chidi Chukwumerije.

REINCARNATION

How many lives did you need
To come alive in this one?
How many graves are marked
With those names
Which you will never know again
Never bear again?
Countless and faded.

Death, that great equalizer
Will remix your cards again
So before your life be lived in vain
Make something good of this birth this time.

– Che Chidi Chukwumerije.

MANGOS

Ich weine wie Mangos
Süße reife feste Tränenklumpen
Fett mit feuchtem Fleisch, mit hartem Kern

Mein klebriger Schrei beschmiert
Dich mit goldener Scham wenn ich
Über dich herfalle.

Mich genießen
Ohne dich zu beschmutzen
Geht nicht – empfangen befleckt.

Drum halte fern Sensibles, Wertvolles
Und bring zu mir nur befreites Dich
Und saubere nackte dürstende Hände.

– Che Chidi Chukwumerije.

ON BAR BEACH

On Bar Beach
On the shores of Lagos
Before the sea reclaimed the land
In those times
When all we had was soft white sand
On a moonlit night hard
Pressed I rode you on my Atlantic stallion
And the hooves that galloped across the sand
Cried of mermaids and whispers and sunless depths

And during the day I was at work
Renting my horse out to tourists
And middle-class upper-class noisemakers
And snobs and their children enjoying
A day at the sea, they pay to trot
Horseback upon the sea’s sand licking fingers –
And there you were, underneath
The thatch roof, selling fried buns, cold softdrinks
And ice cream and catching my eye

And we dreamed impatiently of the approaching night
Of long after midnight
And the lonely beach, the hoarse waves
The salty breeze, that soft pale sound
And the ride hard pressed upon
Our Atlantic steed, nostrils flaring into the wind
Stallion and mare
And the world is pounding the sand
And Lagos is fast asleep.

– Che Chidi Chukwumerije.

KINDERAUGEN

Ihre Augen sprechen eine Sprache
Die meine Empfindung begreift
Aber nur sie, diese innere Flamme –
Mein Verstand nicht.

Oft stehe ich frustriert, verwirrt
Abends an ihrem Hochbett und höre zu
Wie sie mir lebhaft-müde ihre Eindrücke
Des Tages in Kindersprache übermittelt

Wer im Kindergarten wen geärgert hat
Daß ihre Puppe bald Geburtstag hat
Ob ich heute schon beim Sport war
Warum die Jäger die Tigermamas erschießen

Aber während sie kreuz und quer redet
Sagen mir ihre Augen liebevoll, daß sie mir
Etwas ganz Anderes eigentlich sagen möchte
Für das sie noch keine Worte hat.

– Che Chidi Chukwumerije.

THE RIVER

Time could be a river
If I were standing still
Or a dream, if I
Had taken a sleeping pill –

But awake I meander
Through dreams which I fulfil
So I must be the river
And time is standing still.

– Che Chidi Chukwumerije.

MUT UND FREUDE

Da bist du
In den Kilometern verborgen
Machst dir Sorgen
Über Morgen

Da sind wir
In den Jahren verloren
Ungeboren
Erfroren

Da bin ich
In den Träumen gefangen
Voller Verlangen
Und Bangen

Wo ist geblieben
Unser Sinn für Gegenwart?
Uns war doch einst egal
Welche Todesart
Beim mutigen Gehen unseren Weges
Auf uns harrt.

– Che Chidi Chukwumerije.

NOBODY ELSE

A thought of mine
Well-saddled, gallops on
Its hasty steed
Like a need seeking another need
For the ache has become
A part of my memory of you
And my needing to be needed by you
Has become too, too heavy to share
With anybody else but you.

– Che Chidi Chukwumerije.