OFFLINE

Die schönsten Bäume traf ich
offline
Die scheuesten Blumen küssten mich
offline
Die beruhigendsten Pfade beging ich
offline
Die innigsten Begegnungen machte ich
offline

Ich ging online, so für mich hin,
und fand viele Türe, mit und ohne Sinn
Ich ging offline, und wurde selbst die Tür
ohne Schutz, ohne Rahmen, echtes Gespür.
Tausend Kleinigkeiten in tausend Sinnen
In einem Moment offline ist alles drinnen.

Che Chidi Chukwumerije (06.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIE ERTRINKT UND KÄMPFT

Sie war auf der Suche
nach der großen Liebe
Am Ende sitzt sie in mitten
einer großen Familie … alleinerziehend

Vier Kinder sitzen
wie die tiefen Narben ihrer Sehnsucht
auf ihrem Gewissen Tag und Nacht
Eine nimmer endende To-do-Liste…
sich zäh in die Länge ziehend.

Und immer noch schwankt sie täglich
zwischen
Ich habe mein Leben verschwendet
und
Er wird zu mir zurück kehren.
Die Hoffnung, ach, ewig anziehend.

Che Chidi Chukwumerije (05.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HEUTE VERÄNDERN

Es gibt nie wirklich einen Morgen
Das Leben verändert sich immer
Denk an all Deine Träume von Morgen
Von ihnen hat keinen blassen Schimmer
Heute – Gestern‘s wahrer Morgen.

Die Art und Weise, wie sich Heute wiederholt
immer wieder im Kern und immer wieder
raubt mir den Atem wiederholt. Wieder erholt
hole ich wieder aus, stimme Morgens Lieder
doch Morgen hat mich Heute wieder eingeholt.

Morgen kannst Du nie aufholen
denn Heute läßt sich nie überholen

nur verändern.

Che Chidi Chukwumerije (04.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WUNDER

Lazarus, komm heraus!
Blume, öffne Dich!
Kind, wachse und gedeihe!
Liebe, entfalte Dich auf den ersten Blick!
Gedanke, treffe zwei Köpfe gleichzeitig!
Mensch, reinkarniere unerkannt!
Geschehen, zeige Dich vorher im Traum!
Sünder, Dir sind die Sünden vergeben!
Worin liegt der Unterschied? Nirgends.
Alle sind gleich Wunder des Lebens
Wunder des Lichtes, Wunder des Liebens.

Che Chidi Chukwumerije (03.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PALINDROMTAG

Von Vorne und von hinten
nehme ich Dich, oh Tag, ganz.
Abwechselnd oben und unten
meine Emotionen in wildem Tanz.
In der Nähe und aus der Distanz
bei faden und bei bunten
Augenstrahlen leuchtet Deine Eleganz
gleich so vorne wie hinten.

Che Chidi Chukwumerije (02.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNRUHE

Der Wille der Brille
zum Sehen ist leer
egal wie kristallklar
ihr Glas ohne den offenen Blick
Deiner sehnenden Augen.

Der Wille der Stille
zum Vermitteln ist wirkungslos
egal wie leise und regungslos
ihr Augenblick ohne die Sehnsucht
Deines offenen Geistes.

Die Hülle der Idylle
brennt mich, denn Leidenschaft
wohnt in mir, ist aber nicht sesshaft
in mir. Unruhe. Inhalt drängt zur
Gestalt. Gestalt dürstet nach Inhalt.

Che Chidi Chukwumerije (01.02.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABHEBEN

Wir stehen.
Die Wolken nicht.
Die Startbahn sticht
mich zum Gedicht.
Der Kapitän spricht.
Das Flugzeug bricht
auf ins Himmelslicht.

Che Chidi Chukwunerije (31.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HINEINHÖREN

An dem Tag, an dem mein Herz schwieg
Habe ich lange nicht zugehört
Und mein Herz ließ mich auch ungestört;
Verschwieg, daß es sein Schweigen verschwieg.

Che Chidi Chukwumerije (30.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BESUCHER

Ich war ein Sucher in der Natur
und ich fühlte mich fremd, als
der Schnee kam. Aus dem Dunkel,
aus dem Nichts. Lagerte sich um mich
wie ein Belagerer einen Feind, und
starrte mich ernst und wortlos an.
Mein Herz klopfte, ich wartete ab und
ließ mich prüfen. Dann umarmte mich
der leise Schnee und geleitete mich
aus dem Wald wie ein treuer Begleiter.
Manchmal sind wir Zuhause in
der Natur, doch manchmal sind wir
nur Besucher in einer fremden Welt.

– Che Chidi Chukwumerije
29.01.2020 (18:53h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

CHANGING

That feeling
That it is the end of an era
And your life is about to change
Every song you play
Is like a lullaby of life’s evening
With morning on the mountain-range
Once distant
Now descending like dawn‘s mist
The way it will constantly re-arrange
It‘s shape before you
And around you and within you
And make you feel new, open and strange.

– Che Chidi Chukwumerije