Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Als ich es machte,
war es kein Fehler –
Als ich es überdachte,
war es ein Fehler –
Jetzt wo ich älter wär,
und es aus der Ferne betrachte,
ist es kein Fehler mehr.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das für heute angekündigte Unwetter
kam nicht.
So halten manche Ausschau nach Unglück,
erhärten sich Stück für Stück,
setzten sich ihr Leben lang unter Druck
– und verpassen ihr großes Glück,
vor lauter Angst vor Unglück.
Manche fürchten den Sturm
und verpassen die Sonne.
Manche ignorieren den Sturm
und sterben in ihm ohne Sonne.
Manche reiten den Sturm
und werden von ihm in die Höhe getragen,
dort finden sie die Sonne.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es gibt diesen einen Tag
Es ist nicht der Todestag
Es ist nicht der Gedenktag
Es gibt diesen einen Tag
Er kommt unangekündigt
Plötzlich, wie aus dem nichts
Unterscheidet sich mit nichts
von allen anderen Tagen davor
Außer in einem: Es ist der Tag,
an dem Du einen Menschen los läßt,
der viele Jahre davor gestorben ist;
einen Dir wichtigen Menschen.
Die Sonne steigt, der Regen fällt,
Er taucht plötzlich auf in Deiner Innenwelt
Und während Du ihn anschaust, spürst Du,
wie der letzte Stein von Deinem Herzen fällt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich liebe Deine Dornen
Sie bluten gar nicht
Sie krönen
Sie treiben mich zur Blüte
Wecken mich mit Liebeskummer
aus meinem tiefen Schlummer.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Links ist manchmal rechts
Rechts ist manchmal links
Der Weg nach Vorn geht manchmal
weder über links noch rechts
Die Gesellschaft entwickelt sich weiter
Die Politik hinkt hinter her
Irreführende Bezeichnungen
zerren an uns rechts und links
Wir wollen etwas wählen,
was nicht zur Option steht.
Wir wollen etwas sagen,
wofür es kein Wort gibt.
Wir wollen etwas wagen,
wofür kein System existiert.
Wer uns das ermöglicht ,
hat uns die Demokratie gegeben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich könnte Dich
wiederholend
wieder holen
Dich zählen
wie die Regenperlen
heute Nacht
Dich dichten
Auf Mich verzichten
Laß die Nacht von uns berichten.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Bahnwahnsinn
Heftiges Unwetter
rüttelt alle Reisepläne,
macht alle Reisende zu Obdachlosen.
Die Natur beruhigt sich
Die Reise geht weiter
Die Reisenden kehren zurück nach Hause
Die Obdachlosen bleiben
Die Frage nach dem Lebenssinn.
Heftige Schicksalsschläge
schütteln alle Lebenspläne,
machen manche Mitmenschen zu Obdachlosen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es schimmerte zutiefst grün im Wald
Es war dunkelgrün, schwärzer wie schwarz
Wo die Dunkelheit herkam, entging mir
Es war Mittag, die Sonne war hell und hart
Aus dem dunklem Untergrund
kroch vorsichtig wie ein Reh ein Gedanke hervor
Blieb mitten im Gefühlschaos stehen
Wir starrten uns wortlos an
Wir trennten uns wortlos von einander,
er zurück in die Tiefe meines Bewusstseins,
ich wieder in das helle Grün des Waldes,
wo ein Reh sich umdrehte und Heim ging.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Kleid war hübscher als die Frau.
Der Blick war klüger als der Mann.
Sie dünkten sich
und sich gegenseitig
schön schlau,
doch die Enttäuschung wird kommen irgendwann.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Es liegen verschiedene Schichten
der Höflichkeit aufeinander
nein übereinander
nein untereinander
aber niemals nebeneinander.
Denn alle warten darauf,
daß Du ihrem Weltbild
letztendlich doch noch entsprichst –
dann werden sie höflich schmunzeln.
Doch unhöflich wie Du bist,
entsprichst Du weiter Deinem Selbstbild
und schmunzelst, wie sie verärgert
höflich weiter heucheln.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung