FRAGEN

Ob der Wald einsam ist
inmitten der Menschenwelt?
Und das Tier sich wundert,
ob es dem Menschen nicht gefällt?

Ob jede Jahreszeit ahnt,
wie vor ihrer Ankunft die Welt aussah?
Völker ändern sich, Nationen auch,
Keiner versteht wirklich, was geschah.

Menschen ändern sich, irgendwie –
irgendwie auch nicht.
Alle tragen unbeantwortete Fragen
hinter ihrem verschlossenen Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINSTELLUNG-UMSTELLUNG

Sobald Du Dich für wichtig hältst
bist Du es nicht. Macht das Sinn?
Sobald Du Deine Führung spüren kannst
ist sie keine mehr. Denn es macht keinen Sinn.
Du dachtest immer,
Du hast alles selbst bestimmt –
Jetzt willst Du erst recht und wieder
alles selbst bestimmen, und zwar bestimmt.

Es gibt eine unruhige Stunde
die ständig zwischen Frühling und Herbst pendelt
Und bis der Sommer ihn eingeholt hat
ist er weg
Und bis der Winter ihn eingeholt hat
ist er weg
schlafwandelnd umgewandelt
mal im mal gegen den U(h)rzeigersinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RUHM

Wie ein verlockender Duft
im dunklen Wald, er ruft
die Blinden hinein in seine Zaubergruft.

Atme tief ein, schnappe nach Luft.
Denn jeder tritt blind hinein in die Kluft;
fallen ohne Aufprall. Die leere Gruft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ-KOPF-INTERNET

Ich stieg heute
kurz
aus meinem Geist
in meinen Verstand und merkte sogleich
daß der Kopf Jahrelang Pläne gemacht hat
die keinerlei Bezug hatten
zu dem tatsächlichen Verlangen in der Seele.

Das Gehirn ist so realitätsfern.
Hat keine Ahnung, was im Herzen los ist.
Was ich wirklich will
Wer ich wirklich bin
Tief in mir

Wie zwei Menschen
in zwei unterschiedlichen Ländern
ohne Internetverbindung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EHRENAMT: MENSCH

Mich dünkt,
die Schöpfung wird getrieben
wird gehalten wird aufrechterhalten
durch Ehrenamtlichkeit!

Alles, was wichtig was wesentlich ist
Sonne, Regen, Wind, Naturgesetze
Ernte, die Jahreszeiten, sich wiederholend
in selbstloser Regelmäßigkeit!

Doch wir, Menschen, sind so klug geworden
und so leer so einsam so traurig
gefangen in unserem Widerspruch:
wie viel Selbst verträgt die Selbstlosigkeit?

Die wichtigsten Berufe sind unbezahlbar
denoch muss man sie bezahlen –
Die besten Menschen werden ausgenutzt
und Ehre wird quittiert mit Ehrlosigkeit!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE UNSICHTBARE MACHT DER FREUNDSCHAFT

Freunde
wohnen in meinem Herzen
wie Empfindungen in einem Geist
wie Gedanken in einem Kopf
wie Wesenhafte in der Natur

Keiner sieht sie
Keiner kennt sie
Doch gäbe es sie nicht
gäbe es kein Herz und keinen Geist
keinen Kopf, keine Natur und keine Freude.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHENLICHTER

In ihr brannte ein Licht
als wäre sie eine Lampe
und hütete eine Flamme
die erleuchtete ihr Gesicht

Und wem sie zulächelte,
siehe: da ward ein Wunder
das in dessen grauen Herz
den sterbenden Funken fächelte

Kummer und Schmerz kommen
um uns zu reifen, und gehen
um uns begreifen zu lassen
was uns die Oberflächlichkeit genommen:

Die Flamme der Lichtsehnsucht.
Mal begegnet sie uns in der Natur
Mal in einem einfachen Mitmenschen
aus Fleisch und Blut, ungesucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT NACH FRIEDEN UND FREUDE

Wenn Du findest
was Du suchst
und es nicht ist
was du suchst
was suchst Du?

In der Fremde suchst du Heimat
In der Heimat sehnst Du Dich nach der Fremde
In der Fremde findest Du Heimat
In der Heimat fühlst Du Dich fremd
Denn Fremde sind überall
Nur sehen sie aus wie Du
Und sind in Deiner Heimat Zuhause
Nun fragst Du Dich: Wer bin ich wirklich?

Wenn weder die Anwesenheit
noch die Abwesenheit von Fremden
Dich Zuhause fühlen läßt,
dann sind wohl die Fremden nicht das Problem,
sondern Du selbst.
Wenn Du Heimat findest und doch keine Freude,
was suchst Du denn wirklich?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKE DES TAGES

GEDANKE DES TAGES

Wir sind am lautesten
wenn wir schweigen,
jeder in seinen Gedanken versunken.

Wir sind am leersten
wenn wir schreien,
jeder an seinen Gedanken betrunken.

Volle Gedanken neigen zur Dichtung
Leere Gedanken zeigen immer gerne die Richtung.
Irrfunken und Lebensfunken.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHÖN VERPACKT

Der Teufel steckt in der Schönheit
Das ist seine Hässlichkeit
Er ist nimmer unschön
Das ist seine Hässlichkeit

Schöner werden die Zeiten
und häßlicher
Und die Erfindungen
Und die Empfindungen
Und die Fähigkeiten der Menschen
Und ihre Redlichkeit in ihren Werten.

Feiner der Rassismus
Feiner der Sexismus
Feiner die Intoleranz
aber auch die Resistenz
Und feiner die Akzeptanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung