WEIHNACHTEN EMPFINDEN

Weihnachten kommt
Du würdest es nicht denken
Einsamkeit kommt
Bunt verpackt in leeren Geschenken
Gedächtnisgräber in Rauschgetränken
Empfindung kommt
Denkende Köpfe werden sich senken

Je dunkler der Geist
Desto heller seine Umgebung
Der Christusgeist
Ungeblendet von bunter Ummantelung
Sieht das Herz fähig der Vergebung
Der Heilige Geist
Anwesend, unsichtbar ohne unsre Umwandlung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENN MUSEN SCHMUSEN

Ein Gedicht macht besonders Spaß
wenn es am Anfang ein Gespräch war
das kippte und sich selbst vergaß
berührte sich intim, spannend, gebar
eine Gedankenexplosion in Übermaß
wo jeder Satz eine Überraschung war
die, flüchtig, Poesie besaß.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

VIDEOCHAT

Von Bett zu Bett

Getrennt

Durch einen Kontinent

Gelinkt per Internet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUG WIE IM LEBEN

Halb Wolke
Halb Flügel
Halb Schneelandschaft

Halb Sonne
Halb Sehnsucht
Die halbe Botschaft

Der Rest ist in mir
Meine eine Seite ist himmelgebunden
Die andere ist sesshaft

Wenn ich fliege
Sind sie miteinander verbunden
Quelle, Elixir, Kraft!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEBENDIG

Geben und geben
Ohne zu empfangen
Dennoch weiter geben

Laufen laufen
Ohne anzukommen
Deshalb weiterlaufen

Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude
Hinterfrag nicht immer Deinen Weg
Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAGE DER KÄLTE

Im Winter schreibt die Straße
ihre härtesten Gedichte
Wieder ein Obdachlose erfroren
mundtot in der Stadtgeschichte

Die Nachrichten schreien
darüber ein paar Tagesberichte
Die Politik zeigt sich bestürzt –
das, wozu sie sich verpflichte.

Die Bewohner und Benutzer
der Straße, ihre eigenen Gerichte,
wussten‘s schon immer, die Kälte
richtet ihn eines Tages zunichte.

Niemand rief den Kältebus
doch die waren keine Bösewichte
Die Kälte zieht uns die Wärme ab,
die ihr Ertragen ermöglichte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBEN EMPFANGEN

Vielleicht ist es Dir entgangen
Du warst die Antwort auf mein Verlangen

Von der Einsamkeit eingefangen
Zweisamkeit anbietend hinausgegangen

Als Worte, die zittern, die bangen,
die in Deine Sehnsucht hineindrangen

Worte, die miteinander mitsangen
Eine Wellenlänge, auf der wir schwangen

Gemeinsam gefangen
Gemeinsam ausklangen

Geben ist das schönste Empfangen
und ist das Schönste empfangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEINUNGSWECHSEL

Manchmal kämpfen
und töten in mir sich
Gedanken gegenseitig
erbitterter und gnadenloser
als die wildesten Raubtiere
in der Wildnis. Natur Mensch.

Manch eine Lieblingsansicht
von mir wurde nicht selten
in mir vor meinen entsetzten
inneren Augen erbarmungslos
aus dem Hinterhalt von einer
anderen plötzlich angegriffen

in die Enge getrieben
auf den Kopf gestellt
durchlöchert und durchgestochen
auseinandergenommen
lebendig gefressen und begraben
kalt ermordet.

Und ich konnte nichts dagegen tun.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESCHICHTE EINER KURZEN AFFÄRE

Gekommen
Genommen
Gekommen

Wieder gekommen
Wieder genommen
Wieder gekommen

Zurück gekommen
Zurück gestoßen
Zurück gegangen

Weiter gegangen
Weiter gefangen
Weiter verlangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FEST UND TIEF

an gekommen
fest genommen
ab gegangen

tief gekommen
schluck genommen
heim gegangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung