Ich habe ein großes Bedürfnis nach Schweigen, nach einem großen randlosen Schweigen ohne das Geräusch von Mensch oder Technik, von Tieren oder Elementen oder Gedanken. Ein Schweigen so tief, daß ich in seinen Armen meine allererste, älteste, ur-sprüngliche Empfindung wieder vernehme, aus der ich gesprungen bin, aus der ich geworden bin. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
2022
SOMMERANFANG
Sommeranfang Freudenschaum Impulsandrang Blütentraum Farbengesang Erlebnisbaum Wonnenaufgang Hemmungen kaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES KIPPT LANGSAM
Das Gesprächsklima ist rauher geworden, Es verdirbt uns unsere feinere Natur - Wenn dieser Klimawandel vollzogen ist, bleiben Krieg und Konflikt die altneue Kultur? Weniger wird mehr Mehr wird weniger Irgendwann kippt die Stimmung ganz Die Zukunft wird nebliger. Che Chidi Chukwumerije im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ZWISCHEN ÖSTERREICH UND DEUTSCHLAND
Ich mache seit drei Maitagen Urlaub in den Bergen in Österreich und wieder spüre ich nebenbei wie immer: wo Deutschland hart ist, ist Österreich weich, wo Österreich schwer ist, ist Deutschland leicht. Hier bin ich den Deutschen fern, doch in anderer Hinsicht dem Deutschen nah. Aus sichtbarem Fleisch und unsichtbarem Kern besteht die Frucht der Eigenart der Sehnsucht. Was brodelt in diesem Drang nach Mehr? Mehr Heimat doch mehr Fremde und mehr von dem Pendeln da zwischen hin und her wie Schaukeln zwischen Polen des Verlangens, Widerhall zwischen Herz und Hand, Ferngespräche zwischen Südbergen und Nordseen, Autofahrten zwischen Österreich und Deutschland. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OHNE FILTER
Zeig mir Dein Gesicht ohne Filter. Der wärmste Filter ist trotzdem kälter. Je sanfter, weicher, glatter, desto rauher und älter. Je glänzender, desto matter, je perfekter, desto entstellter. Zeig mir das Unvollkommene in Dir, Du und ich wissen ganz genau: Das ist das Perfekteste in Dir. Das Echte ist das Beste an einer Frau. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKEN EINES BERGES
Manche spüren Gedanken, wie andere lärmige Stimmen hören und andere chaotische Scharen beobachten Wie manche Hände auf ihrer Haut fühlen oder Gerüche in einer Menschenmenge wahrnehmen, spüren ein paar Menschen Gedanken Einige Gedanken schmecken dem Feinschmecker, viele nicht, Gewicht auf leisem Gemüt, aber sie werden - wie der Wind - vergehen. Laut sind heute Abend der Alpenwind, die frohen Menschen am Nachbartisch und meine suchenden Gedanken. Nur die Berge schweigen. Die uralten. Denn je mehr Wissen und Erinnerungen Du hast, desto mehr schweigst Du. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
URSPRACHE

Kommt in meine Arme. Ihr ferne Alpen, Ihr seid mächtig genug für mein Herz - Denn es ist zu groß, zu breit, zu tief geworden Und ich verstehe es nicht mehr. Doch Ihr da vorne, ausgestreckt und ausgedehnt wie die Wellenbewegung eines Weltmeeres, von einem Riesen in Stein verwandelt, Ihr sprecht die Ursprache meines Herzens. Rauh und zerklüftet Alt mit einer unbekannten Geschichte Deshalb, kommt in meine Arme Ihr schöne Alpen und liebet mich zurück. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIFFERENT
To be vulnerable is to be honest. To be honest is to be vulnerable. To be different is to be vulnerable to be honest. To be different is to be honest to be vulnerable. It is a strange place to be everytime No matter how many times you go there. Each time it feels different. It requires bravery everytime. Even when you‘re familiar with it Still you never get used to it. Because it is different. Everytime. Che Chidi Chukwumerije
SCHIEFLAGE
Alle diese Unglücklichen werden die Wahrheit aufspüren. Alle diese Lügen werden Unruhe schüren. All diese Unterdrückung mündet irgendwann ins Aufrühren. Alle diese Aggressionen machen nicht Halt an unseren Haustüren. Alle diese Waffen werden zum Kriege führen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BE-SUCHT UNS IN DER ZUKUNFT
Wie viele Häute wie eine Schlange hat unsere Liebe schon abgeworfen? Die einen suchen uns in der Vergangenheit, im Gestern, dort finden sie unzählige, tote, Muster. Die anderen untersuchen die Gegenwart, das Heute, sehen eine immer-wiedergeborene lebendige und wendige Schlange. Aber wir, wir leben nach wie vor in der Zukunft. Im Morgen solltet Ihr versuchen, das Rätsel zu lösen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
