GEFÜHLE IM BAUCH

Schmetterlinge sind viele
Aber nicht im Bauch
Den haben sie längst verlassen
Er hat sie vergessen auch

Erinnerungen sind viele
Aber nicht genug
Sie wurden ersetzt durch Pläne
Für einen neuen Flug.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

KEINE FRAGEN

Mein Herz schlägt so schnell
Wer trommelt so hart auf meine Gefühle?
Ich kann kaum mittanzen seinem Appell
In meinem Kopf herrscht nur Kühle.

Kalt und heiß. Schwarz und weiß.
Voll und leer. Hin und her.
Zuhause, heimatlos. Teilnehmend, teilnahmslos.

Mein Herz hätt Euch so viel zu sagen
Doch mein Kopf will es nicht mehr wagen

Tausend Antworte aber keine Fragen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEIN UNTERSCHIED WIE TAG UND NACHT

Der Tag war heute kein Tag
Er war eine Nacht, die im
Zeichen des Erlebens meiner Träume lag

Die Nacht ist heute keine Nacht
Sie ist ein Tag, der über
das Entstehen neuer Träume treu wacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WENIGER REDEN

Ich höre nicht so gut wie ich sehe
Deine Worte bedeuten mir wenig
Taten sind alles, was ich verstehe
Wenn ich sie sehe, werde ich hellhörig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WERDE SACHT

Langsam… langsam…
Komm runter
Verlangsame Dich heute Nacht
Mein Herz -

Einsam… weil seltsam…
Sehnsüchtig mitunter
Beruhige Dich, werde sacht, werde sacht
Mein Schmerz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AUS DEM INNEREN

Ein Geist herrscht über das Land
Suche ihn nicht in Gesetzesparagraphen
Suche ihn in den Augen der anderen.

Und wer ihn dort erkennend fand,
Der mache seinen Spiegel zum Fotografen -
Erblicken wird er ihn auch im eignen Inneren.

Erst dann strecke aus Deine Hand
Öffne die Gesetzbücher, wie Seismografen
Markieren sie erschütternd genau Eure Miseren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BERUHIGE MICH

Es gibt einen Moment,
kurz bevor die schweren grauen Finger
des Sandmanns meine Lider niederdrücken,
einen Moment - und nenn ihn Gefangen,
denn heißen darfst Du, was Du bist -
wenn die Nacht schweigt, denn
sie will die Stimmen laut und deutlich hören,
die Stimmen in meinem Wederherznochkopf,
einen kurzen bodenlosen Moment, in dem
sie sich plötzlich vor mich tritt, nackt,
sie liebt es nackt zu sein,
immer erscheint sie unbekleidet vor mir,
sie, meine tiefe Angst -
Immer schaue ich einmal weg
und zweimal - doch beim dritten Mal
umarme ich sie und dringe in sie ein.
Das sind die letzten Töne, die ich vernehme,
bevor ich einschlafe - ihr spitzer Schrei,
ihr schwerer Seufzer, und
die schweigsame Nacht, noch lauschend
lange nach dem meine tiefe Angst wieder
verschwunden ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE ERKENNTNISSE GELTEN DIR

Es hat nicht alles mit mir zu tun -
Die Selbstgespräche eines anderen,
Die Art, die Weise, die in ihm un-ruhn,
Die Dämonen in seinem Inneren.

Nicht alles, was mir gesagt wird,
Hat wirklich mit mir zu tun.
Sehnsucht nach mir ist umgekehrt
Die Sehnsucht nach eigenem Wachstum.

Irgendwo in uns allen
Wohnt verlangend unser Leben lang
Ein sechzehnjähriges Naturtalent
Bereit zum Geben, bereit zum Empfang

Was Du von mir unfertig empfängst
Ist nicht der Schlüssel zu mir.
Ich gab Dir, und ich gab‘s Dir längst,
Den Schlüssel und die Lösung zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER RAND GEHÖRT DAZU

Nochmal:
Zeig Dein Gesicht
Versteck Dich nicht
Selbst ist das Gedicht
Allemal.

Anders sein ist keine Schande
Auch wenn verpönt hierzulande
Ich weiß, denn ich bin am Rande.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TREU

Bleib Dir treu
Trotze Trends
Alt wie neu
Ignoriere vollends

Wenn es Deiner Wahrheit nicht entspricht
Zeig Dein Gesicht, Dein wahres Gedicht
Das ist die Erfüllung der geistigen Pflicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung