Es gibt Momente, in denen wir uns besser dünken als wir sind, vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind, aber dann befinden wir uns unter jenen, deren Zeit es ist zu führen, egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen; wir sind gefangen in ihren Plänen, denn wir müssen alles erleben - Führung und Unterdrückung durchleben - und reifen durch unsere Tränen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
DIE DUMMEN LACHEN
Die Straße spricht jede Sprache Schritte fallen lautlos und stumm Die stummen sind nicht dumm Die Dummen lachen, wenn ich lache verstehen mein Lachen aber nicht Sie sprechen jede Sprache überleben auf der Straße aber nicht Kritisieren alles, was ich mache sehen den Schmerz auf meinem Gesicht und denken, daß ich lache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
JEDES MAL
Halte mich so schön wie das erste Mal selbst wenn es das letzte Mal wäre denn irgendwann ist das letzte Mal und jedes Mal könnte wieder das erste Mal sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WELLENRITT
Ich bin in der Welle reite sie heftig Ich bin in der Kiste schüttle sie kräftig Ich bin in der Stimmung gebe mich ihr hin Das ist meine Widmung da ist alles drin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GROSS- UND KLEINREIBUNG
Manchmal bin ich groß Und Du machst mich klein Manchmal bin ich klein Und Du machst mich groß. Diese Groß- und Kleinreibung Meiner Sehnsucht und Lust - Wer hätte es gewusst? - Wie Medikamente ohne Verschreibung Fühlen sich irgendwie so an Als wären sie etwas Verbotenes Das bewirkt trotzdem was Gutes Denn ich genese daran. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEIN TAG OHNE SCHÖNHEIT
Der Zug fährt ab und fernab der Gegenwart kommt er im selben Moment an. Alles ist immer Gegenwart. Herzen berühren ist schön Herzen brechen ist schön Herzen begegnen ist schön Herzen verlassen ist schön Nur, mach es in der Gegenwart Heb es nicht für morgen auf - Ein Tag ohne Schönheit ist ein Tag vertan Ob Schmerz, ob Genuss, ob Freude, ob Verlust, es ist alles schön wenn der Geist daran wächst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES GIBT EINEN FRIEDEN
Es gibt einen Frieden Der ist schwer zu beschreiben Denn Beschreibungen richten sich an den Kopf Doch dieser Frieden findet im Herzen statt. Es gibt einen Unfrieden Der ist schwer zu vertreiben Denn der Kopf ist der Deckel, das Herz der Topf In dem der Unfrieden seinen Sitz gefunden hat. Nichts stört mehr den Frieden Als ein Schwarzer, der sich weigert zu unterschreiben Er stellt die Welt auf den Kopf Denn er reklamiert die Normalität für sich als Heimat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT ANNÄHERND NAH
Annäherung ist eine Form der Distanzierung. Nichts entfernt sich schneller von einander als nicht zueinander Passendes, das sich zueinander findet und herausfindet, daß sie nichts Bleibendes verbindet. Eine letztmalige Annäherung ist allzuoft die Vorstufe einer endgültigen Trennung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACKTE AUGEN
Manchmal, nach dem ich in nackte Augen geschaut habe, wünsche ich, ich hätte es nicht getan, denn dieses Saugen, Aufsaugen in die raue Emotionen dahinter ist wie eine Kette, die mich an urtiefe Abgründe bindet, wo der wahre Mensch sich wiederfindet. Wo der Mutige seine Ängste überwindet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DES GEISTES ELIXIER
Schönheit. Wenn ich satt bin und doch nicht satt, Wenn ich voll bin und mich leer fühle, Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle Meine Empfindung Unzufriedenheit hat, Dann weiß ich, daß ich tief in mir nach Nahrung, nach des Geistes Elixier mich sehne, dürste, hungere, verlange, wo ich Licht empfange und mich fange: Schönheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
