EIN NACHDENKLICHER TAG

Der Tag hat die Konsistenz
eines angenehmen Greisen heute -
Eines dieser Menschen, entspannt,
denen weder Traurigkeit noch Freude
ihr lebenslang gewonnenes Gleichgewicht rauben
können, noch ihre konstante Wachsamkeit.
Hinter den Häusern stehen Lauben,
manche offen, manche zu, wie die Einsamkeit
der Menschen, nicht jeder braucht, nicht
jeder will die Zweisamkeit haben.
Manchen wollen alleine sein, ruhiges Gesicht
zur milden Sonne gedreht an leisen Tagen
wie diesem mit der Konsistenz
zart nachdenklicher Existenz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

OHNE WORTE

Warum schweigen wir,
wenn unsere Herzen voll sind?
Und reden immer mehr
je leerer wir werden und blind?

Worte waren von jeher
ungenau, unzulänglich, schwach,
nie genug. Doch das Gespür
trifft es in der Empfindung einfach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHWIRKUNG

Es gibt diesen Schmerz.
Wenn Du gehen musst
und der Abschied ohne Herz
erfolgt, weil der Frust
schon vorher gründlich
abgelebt und abgelegt
wurde, zumindest mündlich.
Jetzt gehst Du, unaufgeregt,
auf jeden Fall äußerlich,
und nach dem Du weg bist,
wunderst Du schweigend Dich,
was dieser dumpfe Schmerz ist,
der in Dir teilnahmslos sitzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IMMER WEITER

Sie war die Anomalie
Die sich selbst nicht begriff.
Egal wie nah sie
Anderen kam, wie ein Schiff
Ohne Anker an einem
Hafen ohne Landungssteg
Gab’s Verbindung mit Keinem
Und sie trieb wieder weiter weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WARUM ICH SCHWEIGE

Warum ich schweige,
mich zur Stille neige:
Weil jedes Wort Verrat wär
an das Beste in mir -
Weil jedes Wort Verrat wär
an das Echte in mir.

Ich würde so gerne
ganz in die Ferne,
Starrem mich entziehen -
innerlich, meine ich -
mich zurück ziehen.

Schweige ich, weine ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÜBER LEBENDE

Sie erleben den Schmerz,
Er belebt ihr Herz.
Das aufgerüttelte Innenleben
Möchte sich ausleben.

Ob sie leben, ob sie sterben,
Über Blumen gehen oder Scherben,
Hören sie nie auf, für die Liebe zu werben.

Ich wollte schreiben über Leidende
Und jetzt schreibe ich über Lebende.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIONSEBENEN

Deine Augen
Schwarze Augite
Lesen zu viel Kontext
Machen zu tief Kontakt
Sorgen für Kontrast
Zwischen Reden und Schauen und Anfassen
Drei Botschaften auf drei Ebenen
Auf welcher sollen wir uns treffen?

Stell Dir vor:
Wir verbringen ein ganzes Leben
Auf der falschen Kommunikationsebene,
Sagen alles, was auf dieser Ebene
Zu sagen ist…
Und dennoch verstehen wir uns nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSERE WÄLDER

Am Schönsten ist nicht immer am Tiefsten.
Vorsicht: Wen nennst Du da Deinen liebsten?
Ein schönes Gefängnis ist ein Gefängnis;
Freiheit ist die schönere Schönheit,
Alleinsein ist besser als Einsamkeit,
Ein goldener Käfig ist ein Käfig.

Wenn der Wald in mir anfängt zu reden,
Versteht der Wald in Dir? Oder ist Dein Eden
Hort eines anderen Baums der Erkenntnis?
Eine andere Eva, eine andere Schlange,
Ein anderer Adam. Eine andere Wange
Spürt Deine Tränen, mit mehr Verständnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE MENGE MACHT‘S

Die Bäume sind der Wald,
Nicht jeder für sich allein,
Sondern alle im Zusammenhalt,
Groß und klein.

Die Menschen sind die Menschheit,
Nicht jeder für sich allein -
Sondern wir alle als Gesamtheit.
Einer allein ist noch kein Verein.

Die Gefühle sind die Gesellschaft -
Die um Hilfe flehende Misskommunikation,
Die Sehnsucht nach Freundschaft,
Das Gesetz der Reciprocation.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINE ANGST

Keine Angst
Dein Mut ist Deine stärkste Waffe
Hab keine Angst vor Deinem Mut

Sie fürchten Deinen Mut
Um Dich besiegen zu können
brauchen sie Deine Angst

Dein Mut ist Deine stärkste Waffe
Je mehr Drohungen sie ausspucken
desto mutiger werde Du!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung