Unruhe! Der Tag ist ein Tausend Glasstücke ein Hundert Fenster, ein Boden voller Türen Ich finde meine Ruhe nicht. Keine Lücke keine Brücke, keinen Weg hinaus aus der Ruhelosigkeit. Unterdrücke mich nicht!, lacht der Bewegungsdrang - Wo Du unzufrieden bist, da geht‘s manchmal lang! Also: Ruhe! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
HALTE MICH EIN ZWEITES MAL
Halte mich ein zweites Mal bevor wir uns trennen Wir werden uns nie wieder sehen so wie wir uns jetzt kennen Die Fäden der Veränderung werden ihre Wege weiter rennen Wir öffnen ständig neue Bahnen mit allem, wofür wir sonst brennen Mit tiefster Intimität also nun sollten wir uns gegenseitig scannen Ein letztes Mal voll treffend uns die Kosenamen gegenseitig nennen Die ganze Nacht wach bleiben unseren Traum nicht verpennen Wir überleben die Trennung eh nicht lass uns heute uns aneinander verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung



ES KOMMT AUF DAS INNENLEBEN AN
Wer lang genug lebt, hat genug Sommer erlebt und genug Winter, um zu wissen, wie ähnlich sie sind, nur mal kälter mal wärmer der Wind, doch nicht das Wesen dahinter. Das Herz wird frieren, wenn wir Liebe und Hoffnung verlieren in jeder Jahreszeit. Und wärmer wird das Herz, überwindend Einsamkeit, Verlust und Schmerz, strebt es allezeit nach Wahrheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KAPAZITÄT ZUR EINSAMKEIT
Er sitzt, überwiegend allein, in seinem Internetcafé. Er grüßt, lächelt, kommt rein!, nippt an seinem Kaffee. Er grüßt, lächelnd, Auf Wiedersehen!, und ist wieder allein. Die Stunden, die täglich vorbeigehen, markieren in Einsamkeit sein Sein. Selbst ist der Gesprächspartner Sich selbst der einzige Berater Sein Internetcafé sein Lebenstheater. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINFACH WEITER SCHREIBEN
Das Gedicht endete so schnell, So plötzlich, brauchte keinen Reim, Ein Leben, intensiv und hell, Bald ist der Geist wieder Daheim. Meine allergrößte Schwäche Ist die lebenslange Unfähigkeit, Zuzugeben meine größte Schwäche: Die unheilbare Einsamkeit. Kein Fremdland kann einsetzen, Was in der Heimat fehlt - Kein Fremdgang kann ersetzen, Was Dir die Ehe stehlt. Und währenddessen endet Das Gedicht insgeheim. Dein Schmerz hat Dir geblendet - Es hatte doch seinen Reim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANGEFASST IST NICHT BERÜHRT
Dieser Moment danach - Alles Anfassbare angefasst Gegenseitig Und sich immer noch nicht berührt Oder gerührt Innenseitig - Gegenwärtig bleibt die seltsame Distanz Alles Fassbare noch nicht erfasst - - Nur Leere, All-Einsamkeit Unterschwellig. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WINTER KOMMT
Der Donner ist stumm wenn er kommt Er schreit innerlich, schweigt winterlich Der Gedanke blitzt rauf und runter Der rauher Wind gähnt, kühl, und erwähnt Eine lose Stimme im Herzen jault es auch Geräuschlos hat sich die Welt verändert Der Herbst zieht sie aus, der Winter kommt Langsam. Alles braucht seine Zeit - Blumen, Liebe, Wunden und die kalte Jahreszeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER FRÜHLING UND DER SPÄTLING
Der Frühling und der Spätling, so wird ihnen oft berichtet, sehen und fühlen sich ähnlich - einer singt, was der andere dichtet. Wo unterscheidet sich Gestalt vom Inhalt? Der eine spiegelt, was der andere malt. Das Herz bleibt gleich, ob jung oder alt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEINS
Ich schweige Jedes Mal Wenn ich zum Schrift greife Oder was denkt Ihr denn? Ich zeig Euch mein Herz? Einfach so? Wenn ich es Euch zeige würde Was hätte ich dann noch übrig Für mich? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HAMBURG
Von oben zeigst Du mir Deine Wunden sie sind dem kalten Regen zugewandt und offen für spontane Tränen. Die in Deinen Adern wandeln: Ihre Sehnsucht ist Dein Blut, ausgegossen wie die Elbe zum See unserer Sehnen Ohne Hafen. Wozu bräuchten wir Hafen? Wir sind selbst der Hafen. Neugier ist unsere Währung, mit der wir alles zähmen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
