Die Sammelbeschwerde gebleichter Knochen schreiend im Leib der Erde warnend ununterbrochen… stumm ungehört, ungeachtet ein Schweigen mit Gewicht ideologisch ausgeschlachtet Totenköpfe grinsen nicht Nie gelänge es einer Religion diese kleine Welt zu regieren - Freier Wille bedeutet Rebellion Wann werden sie es kapieren? Leben und leben lassen Vergangenheit und Zukunft teilen Knochen können nicht mehr hassen, verkalkte Reue, unfähig zu heilen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
SOLLEN WIR
Sollen wir uns sollen, wollen wir uns wollen, können wir uns können? Wenn das Ziehen uns gegenseitig zieht, wenn das Sehen uns gegenseitig sieht, wenn die Ruhe uns gleichzeitig entflieht, mögen wir uns mögen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PERSPEKTIVE WECHSELN
Die Größe des Geistes zeigt sich darin, Gleichart im Menschsein erkennen zu können. Auch wenn im Moment anscheinend Wahnsinn herrscht, diesen Gedanken werd ich mir gönnen: Perspektive wechseln, es gibt auch Gewinn im Schmerz, dem fast bodenlosen Brunnen, aus dem wir schöpfen neuen Lebenssinn. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE LANGE EINE WUNDE BRAUCHT
Jedes Mal vergesse ich, wie lang eine Wunde braucht um zu heilen. Dann wird wieder eine neue Wunde in meine Seele gepflanzt - klein am Anfang, dann fängt sie an, sich zu teilen, zu vermehren von Stunde zu Stunde Über Tage, Wochen, Monate, Jahre wächst sie wie eine Pflanze. Wunden blühen bis irgendwann die Früchte fallen… Erst dann beginnt die Heilung, die wahre. Bis dann werde ich mich bemühen, Dir zu verzeihen, mich mir wieder zu gefallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NGODO
Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNFLUCHT
Viele Stimmen sagen ein Ding. Eine Stimme sagt viele Dinge. Zwei Menschen teilen einen Ring. Du fühlst viele Dinge, wenn ich singe: Lust und Frust, Sehnsucht und Sehnflucht, Anziehung, Ablehnung, Zu-, Widerspruch. Du kennst dieses Wort noch nicht? Sehnflucht? Aber Du kennst das Gefühl - wie ein Fluch - Herzbruch aus lauter Angst vor Wortbruch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FINDE TÄGLICH DEINEN MOMENT
Inmitten des Lärms Finde ich einen schweigsamen Ort Tief in mir. Achte nicht auf meine Worte, Folge meinen Augen und triff mich dort. Ein Moment genügt, um Dich zu finden. Um mich zu finden, musst Du Dich finden. Um Dich zu finden, musst Du den Lärm überwinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEWÖHNE DICH FRÜH DARAN
Jenseits jedes Lächelns Gibt es jemanden, der ernst ist Im Herzen jeder Beziehung Gibt es jemanden, der getrennt ist Das Leben ist den Leichten schwer, Den Schweren leicht Wahre Verbindungen sind selten - Gewöhne Dich früh an die Einsamkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWEIGSAMKEIT
Ich sterbe den Tod der Worte Wenn die Empfindungen eine Tiefe streifen Jenseits der verbalisierbaren Innenorte. Nur die Schweigsamen werden mich begreifen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
