Mir tut der Bauch weh
ob all der abgelaufenen Worte
die schon längst hätten raus sollen
– jetzt verwesen sie langsam
unausgesprochen
höflich
in meinem Magen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Mir tut der Bauch weh
ob all der abgelaufenen Worte
die schon längst hätten raus sollen
– jetzt verwesen sie langsam
unausgesprochen
höflich
in meinem Magen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wenn wir uns nah genug kommen
erkennen wir
wie weit entfernt von einander wir sind
Wenn wir uns weit genug von einander entfernen
erkennen wir
wie nah wir einander sind
Wir müssen uns nur von der richtigen Person entfernen
und der richtigen Person annähern
um zu erkennen, was falsch ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Am meisten fällt es mir schwer,
mich zu ent-schuldigen,
denn es fällt mir schwer,
mich von meiner Schuld zu trennen.
Sie ist das einzige, was mich
an mein altes Selbst noch bindet,
das mein besseres Selbst war,
mein freieres Selbst war,
mein ehrlicheres Selbst war –
mit und ohne Schuld.
Und dennoch:
Alles Tote muß beerdigt werden.
Meistens mit Schmerzen im Herzen.
Meistens mit Tränen – denn
Dich von Deiner Schuld trennen, ist
Dich von Jemandem zu trennen,
der einst Dein bester Freund war und jetzt
nur noch ein Fremder ist.
Wenn ich mich bei Dir entschuldige,
trenne ich mich von meinem alten Ich.
Und das tut weh.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ein Wort zu viel
wiegt weniger schwer
als ein Wort verschwiegen
und kann es nicht ausgleichen.
Die Berge schweigen laut
und lauter als die Nacht
und lauter als die Toten
und lauter als die Einsamkeit.
Nur die Reue schweigt lauter,
wenn es schon zu spät ist.
Und alles Schweigen der Welt
kann das gesprochene Wort nicht korrigieren.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Unscharf das Bild.
Unklar das Strassenschild.
Undeutlich das brennende Bedürfnis.
Nebulös der Durst
und ungestillt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Rotes Licht
Das Auto bleibt stehen
Gesicht wendet sich zu Gesicht
Hände gehen wild auf Wanderung
Sie küssen sich leidenschaftlich
Das rote Licht ist ihr grünes Licht
Grünes Licht
Sie lösen sich wieder von einander
Schwerster Verzicht
Das Auto fährt wieder los
Hände beruhigen sich – etwas.
Das grüne Licht ist ihr rotes Licht, nicht ganz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Was machst Du gerade?
Ich greife nach Dir wie nach Sonnenstrahlen,
mit eben gleichem Erfolg –
denn genau wie sie bist Du da,
ich kann Dich spüren
aber nicht berühren und nicht mehr fassen –
Mein Verstand kann nach all den Jahren
es immer noch nicht erfassen –
Lieben und lassen,
lieben lassen ist gehen lassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Innenleben ist das einzig wahre Leben
Ohne Innenleben
Kein echtes Geben
Kein ehrliches Vergeben
Nur Lächeln ohne Augenlicht
Wie jene Plastikblumen in der Innenstadt
die ständig und kalt immer lächeln
egal ob es regnet oder die Sonne scheint
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Spürst Du manchmal Gedanken,
wie sie Dich umzingeln?
Es sind die leisesten,
die am Lautesten nachts klingeln,
wenn Du wach liegst
und läßt den Tag sich ausklingen.
Die sich schlauer dünken.
Auch Gedanken können überheblich schmunzeln –
Trügerisch schmeicheln,
mit Augenkontakt Dich entwaffnen,
Dir Deine intimsten Geheimnisse entlocken,
ohne mit Worten Deine Ohren zu züngeln.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Danke für den Tag
für den Kampf mit mir selbst
für den magischen Wechsel zwischen Morgen und Mittag
für die Phasen, in denen ich mich vergaß,
denn genau dann war ich mein wahres Selbst.
Danke für die Trockenheit, die Nachmittag heißt,
denn ein Tag besteht aus vielen Welten.
Und wieder überraschte mich die Abenddämmerung,
ich weiß nie, wo sie herkommt …
noch weiß ich, ob es Wehmut oder Freude ist,
die ich empfinde, während ich
mit Augen zu schaue
mit Ohren lausche
mit Gänsehaut registriere
mit Herzen ahne,
wie der Abend langsam der Nacht weicht,
die von der Zukunft heran schleicht,
jede Nacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung