Unscharf das Bild.
Unklar das Strassenschild.
Undeutlich das brennende Bedürfnis.
Nebulös der Durst
und ungestillt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Unscharf das Bild.
Unklar das Strassenschild.
Undeutlich das brennende Bedürfnis.
Nebulös der Durst
und ungestillt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Rotes Licht
Das Auto bleibt stehen
Gesicht wendet sich zu Gesicht
Hände gehen wild auf Wanderung
Sie küssen sich leidenschaftlich
Das rote Licht ist ihr grünes Licht
Grünes Licht
Sie lösen sich wieder von einander
Schwerster Verzicht
Das Auto fährt wieder los
Hände beruhigen sich – etwas.
Das grüne Licht ist ihr rotes Licht, nicht ganz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Was machst Du gerade?
Ich greife nach Dir wie nach Sonnenstrahlen,
mit eben gleichem Erfolg –
denn genau wie sie bist Du da,
ich kann Dich spüren
aber nicht berühren und nicht mehr fassen –
Mein Verstand kann nach all den Jahren
es immer noch nicht erfassen –
Lieben und lassen,
lieben lassen ist gehen lassen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Innenleben ist das einzig wahre Leben
Ohne Innenleben
Kein echtes Geben
Kein ehrliches Vergeben
Nur Lächeln ohne Augenlicht
Wie jene Plastikblumen in der Innenstadt
die ständig und kalt immer lächeln
egal ob es regnet oder die Sonne scheint
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Spürst Du manchmal Gedanken,
wie sie Dich umzingeln?
Es sind die leisesten,
die am Lautesten nachts klingeln,
wenn Du wach liegst
und läßt den Tag sich ausklingen.
Die sich schlauer dünken.
Auch Gedanken können überheblich schmunzeln –
Trügerisch schmeicheln,
mit Augenkontakt Dich entwaffnen,
Dir Deine intimsten Geheimnisse entlocken,
ohne mit Worten Deine Ohren zu züngeln.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Danke für den Tag
für den Kampf mit mir selbst
für den magischen Wechsel zwischen Morgen und Mittag
für die Phasen, in denen ich mich vergaß,
denn genau dann war ich mein wahres Selbst.
Danke für die Trockenheit, die Nachmittag heißt,
denn ein Tag besteht aus vielen Welten.
Und wieder überraschte mich die Abenddämmerung,
ich weiß nie, wo sie herkommt …
noch weiß ich, ob es Wehmut oder Freude ist,
die ich empfinde, während ich
mit Augen zu schaue
mit Ohren lausche
mit Gänsehaut registriere
mit Herzen ahne,
wie der Abend langsam der Nacht weicht,
die von der Zukunft heran schleicht,
jede Nacht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Seine Schuhe
Seine Hemden
Seine Heiterkeit
Seine Gegenwart in Deiner Einsamkeit
Alles bezahlst Du
mit der Währung und Bewährung
Deiner Angst vor Alleinsein
Du möchtest einfach dabei sein
Und zuhören, wenn er lacht
Auch wenn er nicht mit Dir lacht
Und seine Arme um Dich fühlen
Auch wenn sein Herz nicht dabei ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Ding mit Sterben ist,
daß Du es vergisst –
Irgendwann als Erwachsener
blickst Du suchend zurück
vergeblich nach dem trennenden Moment
zwischen Dir und Deinem Glück.
Dieses Rätsel wird Dich begleiten
den Rest Deines Lebens:
Wie könnte ich so leise sterben
ohne Anzeichen eines Erdbebens?
Wer oder was hat mich wann getötet?
Du suchst die Antwort … vergebens.
Das Kind starb mit seinen Erinnerungen
Der Jugendliche starb mit seinen Idealen
Der Erwachsene bleibt mit seinen Fragen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Das Kleid war hübscher als die Frau.
Der Blick war klüger als der Mann.
Sie dünkten sich
und sich gegenseitig
schön schlau,
doch die Enttäuschung wird kommen irgendwann.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Zwei einsame Menschen
nebeneinander.
Sind sie ob der geteilten Einsamkeit
einsamer?
Sind sie ob der geteilten Zweisamkeit
einfühlsamer?
Sind sie ob der trennenden Alleinsamkeit
empfindsamer?
Zwei einsame Menschen
füreinander gegeneinander
geben einander gegenseitig
alles – und nichts.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung