Es wird immer den einen Freund geben, einst engster Teil Deines Lebens - eines Tages wird er von Dir weg streben. Du wirst ihn zurückrufen vergebens. Denn manchen Weg muss man alleine gehen; Lass ihn gehen, Du musst zu Dir stehen - Auf Wiedersehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Emotionen und Gefühle
LIEBHABERHÄNDE
Der Abend hat Liebhaberhände Passiv aggressiv zart, ich fände Zündend und löschend Brände Deren Herd schwelt ohne Ende Irgendwo an der Dämmergrenze Von Tag und Nacht alle Abende… Berühre mich weiter Traumreiter Ich habe keine Einwände. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
VERSCHENKEN
Mein Herz ist ein Brunnen - Manchmal denke ich, manche Menschen können aus ihm tiefer und mehr schöpfen als ich. Oft verschenke ich das Wesentliche in mir gratis denen mit Verlangen tiefen Grades. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WUT
Wut! Wie Du in einem Augenblick alles zunichte machen kannst, ein ganzes Leben, ein ganzes Geschick! Wie Du dem Untergang den Weg bannst mit einer Handlung - Tat oder Wort - mit deren Auswirkung Du mehr umspannst als Du, blind, bemerken wirst sofort. Der Pfad, der führte einst zum Glück, wird langsam umgeleitet Stück für Stück - Das Zerstörte kehrt nimmermehr zurück. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EINSAMKEIT UND GEMEINSAMKEIT
Einsamkeit und Gemeinsamkeit treffen sich gerne. Grüssen sich und mehren sich. Küssen sich und verzehren sich. Einsamkeit und Gemeinsamkeit, so unterschiedlich aus der Ferne, ähneln sich aus der Nähe doch im Kerne. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FREMDE STADT
Ich laufe durch die Stadt. Ich spaziere durch die Gefühle der Passanten Und sehe diese an ihrer Statt. Ihre Gefühle sind Weltwanderer, sind Migranten. Die Menschen hier sind mir zwar fremd und neu, doch ihre Gefühle gleichen mir Bekannten, detailgetreu. In den einen Augen unzählige Fragen; In den anderen: Ich habe hier das Sagen; In anderen: Du bereitest mir Unbehagen, Du hier? - Wie konntest Du das wagen? In den einen Augen tastende Unsicherheit; In den anderen Sehnsucht nach Wahrheit; In anderen Erkenntnis der Mitmenschlichkeit; In den einen Augen klarer Verbindungsverzicht: Ablehnung oder Gleichgültigkeit? Weiß ich nicht. Doch manche sind einfach nur scheu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
STROMWANDLER
Spürst Du auch manchmal diese Liebe, stärker als Sucht, stärker als Triebe? Diese überwältigende Liebe in Deiner Brust - für was oder wen, ist Dir nicht bewußt. Sie weckt Dich nachts zum nachdenken, sie macht Dich Tags zum Träumenden, sie erfasst manchmal urplötzlich Dein Herz mit einer Druckkraft intensiver als Schmerz. Du willst sie in Taten spenden und empfangen, sie in allen Augen sehen, als inniges Verlangen. Woher? Wohin? An wen, was? Wofür? Dieses umfassende, alles hebende Gespür. Als wären wir, unruhige Weltenwanderer, gleichzeitig im Einsatz als Stromwandler einer liebevollen Kraft von weit weit oben, die sich verankern will auf irdischem Boden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER WERDEGANG DES MENSCHEN ZUM MONSTER
Der Werdegang des Menschen zum Monster ist eine Strasse des Schmerzes der Hoffnung - Eine kindlich helle Seele wird langsam finster, zerrissen durch fassungslose Enttäuschung, wird im Grübeln immer leiser, immer ernster, erliegt dann irgendwann der Rache Versuchung freiwillig, das kann jeder, selbst ein Reinster, wenn Vertrauen stirbt und kalte Verdunkelung übernimmt tief die Augen, der Seele Fenster. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SO VIELE EINSAME MENSCHEN
So viele Menschen sind einsam. Unserer Augen Blicke treffen sich, sie haben etwas gemeinsam - sie sind durstig und erhoffen sich mit jedem Lächeln, jeder Begegnung eine Linderung ihrer Einsamkeit, fürchten aber auch eine Entgegnung, die sie bestätigt, diese Einsamkeit. So viele einsame Menschen überall aber keiner von ihnen passt zu Dir - Ist Liebe Schicksal, Puzzeln oder Zufall? Oder freier Entschluss in Dir und mir? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUS MANGEL AN TATMUT
Während sie lächelten Während ihre Gefühle köchelten Während sie Möglichkeiten einfädelten Während sie tändelten Während sie an Tatmut mangelten Während sie nicht handelten Kamen andere Menschen in ihr Leben - Doch schau, wie sie aneinander noch kleben unfähig, sich gegenseitig je zu vergeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
