LIEBE IST EIN SÜSSER SCHMERZ

Lieben ist Wehtun
mit Vergnügung
Führt zu Unruhen
in der Empfindung

Schweigen ist besser als lügen
Mit-teilen ist besser als betrügen
Fügen ist besser als sich fügen

Liebe ist ein süßer Schmerz
und er führt Dein Herz
ab- und aufwärts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ES IST ECHT

Es sieht leicht aus,
ist es aber nicht. Es ist echt.
Und echt ist nicht leicht.
Es wäre unfair und ungerecht,
als leicht zu bezeichnen das
unberechenbare menschliche Herz,
nur weil es schwankt zwischen
Tiefe, Spiel, Freude und Schmerz
ohne sich zu entscheiden,
welcher Weg nach Hause führt,
denn alles ist gleichsam wertvoll
was das Herz innig berührt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER HASS FÄHRT IM KREIS

Sie fahren im Kreis
und kommen da an
wo ihre Irrfahrt begann
und fahren weiter im Kreis.

Der Hass hasst den Hass
und der Hass hasst den Hass zurück.
Der Teufelskreis endet im Unglück…
und fährt weiter. Bodenloser Fass.

Bodenlose Fassungslosigkeit.
Entweihte Weihnachtszeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung.

WENN SCHMERZ EINE BLUME WÄRE

Wenn Schmerz eine Blume wäre,
wären unsere Herzen Gärten -
Träume, die wir gestern nährten;
Sorgen, die in uns einst gärten
und uns das Hoffen erschwerten;
Der Verlust früherer Gefährten;
Alle blühten auf in unseren Gärten,
wenn Schmerz eine Blume wäre.

Tränen süß wie Regen,
die das Verlangen erregen,
die Sehnsucht nach dem Licht -
Ein Herz, das bricht … und aufbricht
dem Licht entgegen fieberhaft
mit tausendfacher Blumenkraft!

Wenn Schmerz eine Blume wäre,
wären unsere Herzen blühende Gärten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICH VERZEIHEN

Waren wir uns je ähnlich?
Waren wir je unterschiedlich?
Gleich und gleich bekämpft sich gern
Wir sind uns nah, wir sind uns fern
Wie da ein Stein und da ein Stern
die doch dasselbe sind in ihrem Kern.
Wunden, tief, sind nicht unverzeihlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WUNDEN

Ich besuchte eine Wunde
und sie war offen
klagte aus weinendem Munde
Ich kam näher, selbst betroffen

Die Wunde war empfindlich
und aufmerksam und klug
zog mich an sich unwiderstehlich
wich mir aus mit feinem Betrug

Ich hob meinen Zeigefinger
und legte ihn an die Wunde
Sie seufzte vor nichts geringer
als der Hoffnung, ich gesunde.

Doch kein Mensch kann Dich heilen
denn wir alle bergen eigene Wunden
Nur wenn wir Ehrlichkeit teilen
hätten wir Linderung gefunden.

Ich besuchte eine Wunde
und sie war zu -
Doch sie begriff mich in unserem Abgrunde
und öffnete sich mir ab und zu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESELLSCHAFT DER EINSAMKEIT

Wenn die Einsamkeit der Einsamkeit
Gesellschaft leistet, wie fühlt es sich an?
Entsteht die Zweisamkeit?
Oder verdoppelt sich die Einsamkeit?

Wenn zwei einsame Menschen sich küssen,
schlucken sie die Einsamkeit runter?
Schmeckt es nach der Zweisamkeit?
Wird es schwärzer oder wird es bunter?

Kann die Einsamkeit der Einsamkeit
ihre Einsamkeit lindern?
Kann Zweisamkeit Einsamkeit mindern?
Kann Gesellschaft Alleinsein verhindern?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER HOFFNUNG DIE HOFFNUNG GEBEN

Heute hängt sehr viel Hass in der Luft
Ich fühle es und fasse es nicht
Das Herz fühlt sich an wie eine Gruft,
liegt in der Brust wie ein Gewicht
und tastet und langt und schreit und ruft
und betet und ringt nach dem Licht.

Heute schnappt die Hoffnung nach Luft,
WIR müssen der Hoffnung die Hoffnung geben
und überbrücken selbst mit Zuversicht die Kluft
zwischen dem Tod und dem Leben -
Manchmal ist die Hilfe nur ein zarter Duft
von Adventskerzen und Tee und Reben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LAUNENHAFTIGKEIT

So, wie er die untergehende Sonne beobachtet,…
die sich zurückziehenden Gezeiten betrachtet,…
so, wie er die Vögel nach Süden fliegen sieht,…
alles wahrnimmt, was um ihn herum geschieht,
so schaut er manchmal machtlos zu,
wie seine Laune sich verschlechtert im Nu,
und vertreibt die Freude und verdirbt die Ruh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNVERÄNDERTE ZIEL

Aus welchem Grund auch immer
der Hass entsteht, ist der Boden
immer dasselbe. Ob schlimmer,
unverändert oder netter die Methoden
seiner Austragung bleibt das Ziel
das Besitzergreifen vom Vollrecht
zum Leben. Ein hinterhältiges Spiel -
wer menschlich spielt, wird geschwächt.

Die Intoleranz in den Augen-blicken
ist noch gar nichts im Vergleich
zu dem Würgen und Ersticken
tief im Herzen, gültig und gleich -
Aber im Internet kommt alles heraus,
Haß, Herrscherfantasie, Hässlichkeit;
Feigheit wird zu Mut in jeder Maus,
Menschen toben in Unmenschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung