BLEIB GUT

Warum ist mein Herz zart?
Nach allem, was sie mich angetan haben.
Wieso wurde es noch nicht hart?
Das kann ich Dir ehrlich nicht sagen.

Es ist, als trüge ich in mir ein Wissen,
älter als dieser Körper und dieses Leben.
Das Wissen, daß nur ein reines Gewissen
sich von der Erde befreien kann nach dem Sterben.

Alles andere bleibt erdgebunden und
kehrt wieder zurück und kehrt wieder zurück
und kehrt wieder zurück, hart, bitter und wund.
Nur Güte führt befreiend zum Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LAUFE LEISE DURCH DIE LINDEN

Laufe leise durch die Linden
Wende Dich mit den Winden
Verbinde Dich ohne Dich zu binden
mit den Bäumen
und Du wirst Dich finden.
In der Natur Zauberräumen
gibt es keine Blinden.

Es gibt nur die, deren Herzen offen sind,
und die, die verloren haben ihr inneres Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BAUCHGEWÜHL

Deine Handoberfläche
lag auf meiner Brust
Aber nicht meine Oberfläche
erhitzte sich vor Lust

Sondern mein Bauchgewühl
beruhigte sich
Und mein Bauchgefühl
bestätigte sich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHATZ DER LIEBE

Das Ende sucht den Anfang,
sonst kommt er nicht zum Einsatz -
Der Anfang sucht das Ende,
sonst bleibt er zeitlich fehl am Platz.

Ich bin Dein Anfang und Dein Ende,
Du bist mein Ende und mein Anfang.
Gesucht, gefunden, der Liebe Schatz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KAMPFGEIST

Der Verstand schaut jedes Mal überrascht aus,
daß ich noch da bin, noch existiere und walte.
Den Geist schaltet man aber nicht so leicht aus,
Er ist menschlich der ursprüngliche, der Uralte.

Suche mich in Schönheit, in Gerechtigkeit,
In Ehrlichkeit und in Wahrhaftigkeit;
Suche mich in Güte, in Menschlichkeit.
Suche mich in Reinheit und in Kindlichkeit.
Suche mich aber stets in Demut.

Suche mich in allen Werten, in jeder Tugend,
In jedem Alter, im Greise, suche in der Jugend -
In jedem Geschlecht, im Privat- und Arbeitsleben,
Du, Verstand, bist von meinem Willen umgeben.
Suche mich in Verwundbarkeit und im Mut,
Suche mich jenseits von Wut,
Suche mich im höchsten Mut, in der Demut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ERHOLSAMER SCHLAF

Die Müdigkeit durchdrang meine Knochen
aber sie schonte meinen Geist, zum Glück.
Mein Körper schlief lang und beim Erwachen
kehrte meine Seele aus Traumwelten zurück.

Ich habe Liebe gefühlt und Mut gerochen,
traf mich mit als Weinen getarntem Lachen,
erhielt geistiges Brot als erstes Frühstück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SAG MIR DIE WAHRHEIT

Sag mir die Wahrheit -
Sie tut weniger weh, immer.
Das Fehlen von Klarheit,
nichts ist schlimmer.

Die Natur schenkt uns
einmal täglich den Tag;
ihn zu nutzen ist Lebenskunst,
ist des Geistes Auftrag.

Guten Morgen, guter Tag,
Wissensdrang ist aufgewacht,
zu erleben, was kommen mag,
denn Wissen ist Macht.

Eine Umarmung sänftigt mich;
Keine Umarmung heilt mich -
Schweigen beschäftigt mich…
Wahrhaftigkeit befreit mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

STROMWANDLER

Spürst Du auch manchmal diese Liebe,
stärker als Sucht, stärker als Triebe?
Diese überwältigende Liebe in Deiner Brust -
für was oder wen, ist Dir nicht bewußt.

Sie weckt Dich nachts zum nachdenken,
sie macht Dich Tags zum Träumenden,
sie erfasst manchmal urplötzlich Dein Herz
mit einer Druckkraft intensiver als Schmerz.

Du willst sie in Taten spenden und empfangen,
sie in allen Augen sehen, als inniges Verlangen.
Woher? Wohin? An wen, was? Wofür?
Dieses umfassende, alles hebende Gespür.

Als wären wir, unruhige Weltenwanderer,
gleichzeitig im Einsatz als Stromwandler
einer liebevollen Kraft von weit weit oben,
die sich verankern will auf irdischem Boden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG WIE NACHT

Lasst uns den Tag mit Nachtgefühlen starten,
mit Zärtlichkeit Menschlichkeit geben und erwarten,
lasst uns aus dem Leben einen schönen Traum machen,
in deren Erfüllung hinein wir sonnig erwachen.

Lasst uns die Nacht mit Tagbewusstsein erleben,
mit Ernsthaftigkeit unseren Empfindungen Raum geben,
lasst uns aus dem Schlaf ein heilsames Schöpfen machen,
aus dem wir innerlich gesund und klarer morgens aufwachen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BLEIB EIN KIND

Bleib ein Kind
Mach in Deinem Garten Raum
für jede Blume, die auftaucht
Gib ihr eine Ecke für ihren Traum

Wenn sie aus ihrem Traum erwacht,
stark, klar, reif und erwachsen,
kannst Du sie woanders umpflanzen
zum gedeihen und weiter wachsen

Bleib ein Kind
Keine Trauer, kein Gedicht, keine Sehnsucht
ist zu unwichtig für Deine Liebesmühe
Erfülle alles mit Feenstaub und Sehnflucht

Es war einmal ein Kind
das lebte und spielte und liebte
und weinte, und liebte weiter und lachte
Und die Welt besiegte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung