Bleib ein Kind Mach in Deinem Garten Raum für jede Blume, die auftaucht Gib ihr eine Ecke für ihren Traum Wenn sie aus ihrem Traum erwacht, stark, klar, reif und erwachsen, kannst Du sie woanders umpflanzen zum gedeihen und weiter wachsen Bleib ein Kind Keine Trauer, kein Gedicht, keine Sehnsucht ist zu unwichtig für Deine Liebesmühe Erfülle alles mit Feenstaub und Sehnflucht Es war einmal ein Kind das lebte und spielte und liebte und weinte, und liebte weiter und lachte Und die Welt besiegte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Heilung
DEMUT UND EINFACHHEIT
Die Demut, der höchste Mut - Ein Mut, der inspiriert und gut tut. Der Mut, normal zu sein und gut. Ein König, der in einer Krippe ruht unter Menschen mit einfachem Blut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SICH VERZEIHEN
Waren wir uns je ähnlich? Waren wir je unterschiedlich? Gleich und gleich bekämpft sich gern Wir sind uns nah, wir sind uns fern Wie da ein Stein und da ein Stern die doch dasselbe sind in ihrem Kern. Wunden, tief, sind nicht unverzeihlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN
Ich besuchte eine Wunde und sie war offen klagte aus weinendem Munde Ich kam näher, selbst betroffen Die Wunde war empfindlich und aufmerksam und klug zog mich an sich unwiderstehlich wich mir aus mit feinem Betrug Ich hob meinen Zeigefinger und legte ihn an die Wunde Sie seufzte vor nichts geringer als der Hoffnung, ich gesunde. Doch kein Mensch kann Dich heilen denn wir alle bergen eigene Wunden Nur wenn wir Ehrlichkeit teilen hätten wir Linderung gefunden. Ich besuchte eine Wunde und sie war zu - Doch sie begriff mich in unserem Abgrunde und öffnete sich mir ab und zu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RICHTUNG WEIHNACHTEN
Es kommt erneut zum Jahresende jene schwierige Zeit, wo innerlich empfundene, nachdenkliche, Tiefe gestört wird durch laute kommerzielle Heiterkeit. Bitte, schick mir keine Memes, schreib mir echte Briefe, teile mit mir ein inniges Stück Deiner Ernsthaftigkeit. Es rutscht schnell vorbei, diese Zeit, wie auf einer Schiefe. Rede mit mir über eine Liebe, die wirklich verzeiht. Verpasse dem Jahr einen Schlussstrich fein wie eine Serife, mit einem Ernst, der die heilige Nacht wieder weiht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG MIT ERLEBEN
Zu einem Menschen ohne Geduld kannst Du nicht sagen Hab Geduld Zu einem Menschen mit Angst oder Wut kannst Du nicht sagen Hab keine Angst oder hab keine Wut Was Du hast, hast Du Was Du nicht hast, hast Du nicht Nur durch Erleben lernst und wächst Du, Durch Worte allein nicht. Lass die Ungeduldigen ihre Ungeduld erleben Lass die Ängstlichen ihre Angst erleben Lass die Wütenden ihre Wut erleben - Ohne Sichselbstsein kein wahres Erleben Erleben und die Rückwirkung wieder erleben Eine Schule ist das Erdenleben Ohne Erleben kein Werden, kein Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO AUCH IMMER ES HEUTE IST
Als sie jünger war wurde sie schwanger, es war ein Wunder, daß sie, kaum ein Teenager, überlebte und je älter sie wurde, auch gesunder wurde, nachdenklicher dazu, schöner und reifer. Lachte viel und heiratete die Liebe ihres Lebens und sie hatten drei Kinder. Aber manchmal, plötzlich, wird sie stiller, ruhiger, und schickt innig Gedanken an ihr viertes Kind, das heißt, an ihr erstes Kind, das sie als Teenager zur Adoption einst freigab. Wo auch immer es heute ist, möge Gottes Segen es schützen auf allen seinen Wegen. Amen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NOCH EIN LÄCHELN ÜBRIG
Ein Lächeln habe ich übrig Wem soll ich es schenken? Laute Welt, bitte werde ruhig Laß mich in Ruhe klar denken Eine kleine Kerze, gut geschützt, kann tausend Kerzen anzünden Ein ernstes Lächeln unterstützt schmerzvolle Sühnen von Sünden Ein Erdenleben, ernst genommen, kann ein ewiges Leben bedeuten Ein Lächeln, von Innen gekommen, schlägt die meisten Therapeuten Laute Welt, werde jetzt ruhig, Die Zeiten sind am Wenden. Ein Lächeln haben wir noch übrig Wir wollen es nicht verschwenden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEINER IST VOLLKOMMEN
Keiner ist vollkommen - Die, die Dir am nächsten sind, werden es Dir belegen. Weil sie Dir am nächsten sind. Suchst Du die Frommen, suche nicht unter Deinen Freunden. Nur die neben Dir einst gelegen, können Dich verleumden. Aber angenommen Du verzeihst nicht, wenn sie bitten, wirst Du den erhofften Segen auch draußen nicht finden bei Dritten. Denn keiner ist vollkommen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO DER BODEN NICHT BEREIT IST
Helfende Worte helfen nicht immer, wo der Boden nicht vorbereitet ist, Hilfe anzunehmen. Es wird schlimmer noch, treffen sie auf einen Narzisst. Der Helfenwollende berührt eine Wunde. Der Hilfeablehnende, in seinem Abgrunde gefangen, fühlt sich erwischt, ist angepisst! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
