Jedes Mal vergesse ich, wie lang eine Wunde braucht um zu heilen. Dann wird wieder eine neue Wunde in meine Seele gepflanzt - klein am Anfang, dann fängt sie an, sich zu teilen, zu vermehren von Stunde zu Stunde Über Tage, Wochen, Monate, Jahre wächst sie wie eine Pflanze. Wunden blühen bis irgendwann die Früchte fallen… Erst dann beginnt die Heilung, die wahre. Bis dann werde ich mich bemühen, Dir zu verzeihen, mich mir wieder zu gefallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Heilung
BEVOR ICH IN DIE NACHT HINEIN GEHE
Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WUNDEN BRAUCHEN ZEIT
Ich sah heute einen Mann in Schmerzen Und bei allem Tröstenden, das ich sprach, Nahm er es auch Trost suchend zu Herzen, Ließ sein Leiden trotzdem nicht nach. Wunden, wie alle anderen Lebewesen, Brauchen und wollen ihre Zeit voll haben. Kein Mensch, niemals, kann früher genesen Als die Frist die ihm seine Wunden gaben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR HINTERLASSEN IMMER SPUREN
Ich sitze hier jetzt seit einer Weile und versuche mein Herz zu verstehen Es malt viele Bilder, langsam, ohne Eile und dennoch mehr als ich je gesehen aber heute ist nichts besonderes geschehen Ich sprach wie immer mit etlichen Fremden und sah dabei in unzählige Augen in Blicken gefangen wie Körper in Hemden die schützen wollen doch nur dazu taugen gegenseitig zu suchen, zu flehen, zu saugen. Und lang nach dem ich wieder alleine bin lebt noch ein Teil von jedem in mir - Begegnungen tief sind des Lebens Sinn Ob kurz oder lang ich öffne mich DIR Jedes Ich ist ein Teil von unserem großen Wir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR IN DIR
Komm zu mir Ich öffne Dich Dir Nicht mir Du bist Dir das größere Geheimnis Das wichtigere Du musst es nur zulassen Folgen, wenn ich Dich führe Du wirst Dich neu begreifen und fassen Wenn ich Dich innerlich berühre. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
COMMUNITY
Community Weil wir sonst noch unsichtbarer werden Community Weil wir sonst noch ungeschützter sind Community Weil wir sonst noch einsamer werden Community Weil wir eh bereits eine sind. Wir sprechen die selbe Sprache in allen Sprachen Und alle Sprachen in der selben Sprache Wir verstehen das Unausgesprochene Und sprechen das Unverstandene aus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH SAH EINEN RUHIGEN TAG HEUTE
Ich sah einen ruhigen Tag heute Er kam in der Früh zu mir Und sagte kein Wort Blieb nur ruhig bei mir bis heute Abend Und, so sachte wie er kam, ging er auch… In seiner Nähe spürte ich mich In seinem Schweigen hörte ich mich In seiner Sanftheit fand ich meine Härte Meinen Mut und meine Stärke Und seine Ruhe beruhigte mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BRÜDERLEIN
Heute ist wieder der Tag die Welt nicht zu hören denn ich will Dich wieder hören so wie an unserem letzten Tag Ernster wie sonst war Deine Stimme kurz Dein Lächeln Ich schenkte Dir zurück meines Herzens Lächeln doch warum verlor ich meine Stimme? Ich wollte Dich bitten nicht zu gehen Ich wollte Dich bitten aufzupassen Doch, Er wird schon auf sich aufpassen, sagte ich mir und ließ Dich gehen Und bis heute warte ich. Du bist ein Adler, ein Sucher, ein Finder Ein Reisender, ein Mensch, ein Empfinder und hoffnungsvoll warte ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABSTRAKTERE SCHÄTZE
Jedes Mal, wenn ich ansetze, Trauriges zu schreiben, steigen Zuversicht, Gleichmut, Hoffnung, Ruhe in meine Sätze hinein, machen aus einem langen Bericht ein Standbild meiner abstrakteren Schätze, eine kleine Nachtmusik, ein kurzes Gedicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE BESTEN GESCHENKE
Heiligabend. War er bereits –
mit Geschenken mehr oder weniger beladen –
bei Euch gewesen?
Nicht vergessen, zieht hoch die Rolladen…
Schaut hinter die Fassaden:
Die besten Geschenke
kommen, reich beladen, von Herzen
und lindern den Mitmenschen
ihre Trauer, ihre Einsamkeit und ihre Schmerzen…
Brennen heller als alle Adventskerzen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
