COMMUNITY

Community
Weil wir sonst noch unsichtbarer werden
Community
Weil wir sonst noch ungeschützter sind
Community
Weil wir sonst noch einsamer werden
Community
Weil wir eh bereits eine sind.

Wir sprechen die selbe Sprache in allen Sprachen
Und alle Sprachen in der selben Sprache
Wir verstehen das Unausgesprochene
Und sprechen das Unverstandene aus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH SAH EINEN RUHIGEN TAG HEUTE

Ich sah einen ruhigen Tag heute
Er kam in der Früh zu mir
Und sagte kein Wort
Blieb nur ruhig bei mir bis heute Abend
Und, so sachte wie er kam, ging er auch…

In seiner Nähe spürte ich mich
In seinem Schweigen hörte ich mich
In seiner Sanftheit fand ich meine Härte
Meinen Mut und meine Stärke
Und seine Ruhe beruhigte mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BRÜDERLEIN

Heute ist wieder der Tag
die Welt nicht zu hören
denn ich will Dich wieder hören
so wie an unserem letzten Tag

Ernster wie sonst war Deine Stimme
kurz Dein Lächeln
Ich schenkte Dir zurück meines Herzens Lächeln
doch warum verlor ich meine Stimme?

Ich wollte Dich bitten nicht zu gehen
Ich wollte Dich bitten aufzupassen
Doch, Er wird schon auf sich aufpassen,
sagte ich mir und ließ Dich gehen

Und bis heute warte ich.
Du bist ein Adler, ein Sucher, ein Finder
Ein Reisender, ein Mensch, ein Empfinder
und hoffnungsvoll warte ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ABSTRAKTERE SCHÄTZE

Jedes Mal, wenn ich ansetze,
Trauriges zu schreiben, steigen Zuversicht,
Gleichmut, Hoffnung, Ruhe in meine Sätze
hinein, machen aus einem langen Bericht
ein Standbild meiner abstrakteren Schätze,
eine kleine Nachtmusik, ein kurzes Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BESTEN GESCHENKE

Heiligabend. War er bereits –
mit Geschenken mehr oder weniger beladen –
bei Euch gewesen?
Nicht vergessen, zieht hoch die Rolladen…
Schaut hinter die Fassaden:

Die besten Geschenke
kommen, reich beladen, von Herzen
und lindern den Mitmenschen
ihre Trauer, ihre Einsamkeit und ihre Schmerzen…
Brennen heller als alle Adventskerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEBEN EMPFANGEN

Vielleicht ist es Dir entgangen
Du warst die Antwort auf mein Verlangen

Von der Einsamkeit eingefangen
Zweisamkeit anbietend hinausgegangen

Als Worte, die zittern, die bangen,
die in Deine Sehnsucht hineindrangen

Worte, die miteinander mitsangen
Eine Wellenlänge, auf der wir schwangen

Gemeinsam gefangen
Gemeinsam ausklangen

Geben ist das schönste Empfangen
und ist das Schönste empfangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WUNDE STUNDE

Es ist jene Stunde erneut
der Selbstliebe
des Selbsthasses
der gesteigerten Triebe
des inneren Kompasses
der Hoffnungssiebe
des Ich-Strafmaßes
der Traumdiebe
des neuen Anlasses
die Wunde zu lecken, unbereut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLLEN WIR WARTEN BIS ZUR TRAUERFEIER?

Sollen wir warten bis zur Trauerfeier,
um erst dann zu werden (un)endlich freier?
Sollen wir‘s hinausschieben bis zur Beisetzung,
um anzuerkennen innere Verletzung?
Sollen wir zögern bis zum letzten Abschied,
um zu teilen unserer Herzen Lied?
Wir harren im Kriegen im Sehnen nach Frieden,
schaffen uns Schmerz und wollen Glück schmieden.
Versöhnungsversuche heute wieder nicht gestartet.
Wie lange wollen wir noch warten
auf ein Ende, daß auf uns nicht wartet,
in einer Form, die wir nicht erwarten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRIEDFERTIGKEIT

Wenn Waffen alles sind, was Du hast -
Massenvernichtungswaffen -
weine, geistschlaffe Seele, weine. Du hast
den Sinn verroht und verprasst
auf der Reise zum Menschen vom Affen.

Intelligenz im Aufleuchten verblasst,
wo Ziel und Treffer auseinander klaffen.
Unter des Evolutionsauftrags Last,
gibt‘s nur einen Weg, der dazu passt:
die Massen retten durch aufbauendes Schaffen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGENHERZ

Vorfreude und ich weiß nicht worauf –
Kopf blank, Herz gut drauf –
Lächeln und Schmunzeln abwechselnd
spannen sich im Wettlauf miteinander auf.

Irgendwo in seinem sturen Herzen
hört der Winter den Frühling scherzen –
Hoffnung und Heilung abwechselnd
bewegen sich in meinen Schmerzen aufeinander zu.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung