VORFREUDE AUF WEIHNACHTSFREUDE

Der schönste Moment des Tages

Stufe für Stufe stiegen wir die Treppe hoch
äußerlich auf die Bühne
innerlich in die Freude
und holten die Weihnachtsdeko runter
denn Sehnsucht war das Treppenhaus

Mein Sohn und ich
Vergangenheit und Zukunft
Erinnerung und Hoffnung und kommende Nostalgie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEINE ZWEITE NATUR

Sie trug den Herbst in ihren Haaren
meine Lieblingsjahreszeit
Egal wo wir waren
Egal wann wir waren
trug sie meine Freude in sich allezeit
als wäre sie meine Liebe nicht nur
sondern auch meine zweite Natur.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN LETZTES MAL

Wird die Welt ruhiger
oder ich?
Wird die Natur herber
oder ich?
Wird die Erde reifer
oder ich?

Dennoch rast ein Brand durch den Wald
Die roten Blätter innen heiß, außen kalt
Ein letztes Mal lachen, denn Winter kommt bald.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINSTELLUNG-UMSTELLUNG

Sobald Du Dich für wichtig hältst
bist Du es nicht. Macht das Sinn?
Sobald Du Deine Führung spüren kannst
ist sie keine mehr. Denn es macht keinen Sinn.
Du dachtest immer,
Du hast alles selbst bestimmt –
Jetzt willst Du erst recht und wieder
alles selbst bestimmen, und zwar bestimmt.

Es gibt eine unruhige Stunde
die ständig zwischen Frühling und Herbst pendelt
Und bis der Sommer ihn eingeholt hat
ist er weg
Und bis der Winter ihn eingeholt hat
ist er weg
schlafwandelnd umgewandelt
mal im mal gegen den U(h)rzeigersinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KÄLTE UND WÄRME

Es naht sich wieder die Jahreszeit,
in der sich die Wärme zurück zieht
tief ins Herz von Mensch und Natur.

Jeder Obdachlose, den man sieht
zitternd da draussen, ist ein Mensch
der in Schwierigkeiten geriet.

Es naht sich wieder die Jahreszeit,
in der der Mensch die Wärme bezieht
einzig und allein aus der Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINBRUCH

Herbst bricht ein
wie ein Dieb in der Nacht –
Stiehlt uns unsere Jugend.
denn er will uns zeigen, wie bunt
das Reifsein auch sein kann
bei aller Nacktheit.

Reif sein ist schön –
Schön der Schmerz
Schön die Reue
Schön die Stärke
Schön die Zerbrechlichkeit
Schön die Ruhe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE WANDLUNG

Welk hängen die letzten Gedanken der Bäume
wie vergilbten Blätter voller alten Gedichte
gesungen in Liebe einst
an reif gewordene Triebe.

Manche Bäume sind bereits gelb
Ich habe den Wandel nicht gemerkt
Manche Träume freuen sich auf den Herbst
Manche sind am Sommer hängen geblieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE BERGE

Unklare Umrisse…
Die Berge falten sich in einander
Als wäre die Zeit ein Meer,
Aus dem sie wellengleich
Aufstehen, drängeln durch den Verkehr
und machen sich auf den Weg
Im Urlaubsstau Richtung Österreich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER DRUCK DES FRÜHLINGS

Wie ein Neuling
springt der Frühling
aus der Fantasie der Natur herraus,
tobt sich entzückt, zögernd, aus
wie ein kleines neues Kind zu Besuch,
begeistert von jeder Sicht, jedem Geruch,
alles aufsaugend und wiedergebend,
zu spät jeder Morgen, zu früh jeder Abend,
ahnend flüchtig, daß die Kindheit
mit all ihrer magischen Schönheit
die kürzeste Zeit ist der Lebenswanderung…
bleibt aber am längsten in der Erinnerung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEUTSCHER FRÜHLING

Ich rieche im Anflug den deutschen Frühling
Er riecht wie eine Erinnerung an etwas, was noch nicht geschah
Ein bißchen wie das Dejavu, wenn der Tag das bringt
was in der Nacht im Traum bereits geschah.

Ich höre im Anmarsch den deutschen Frühling
Ich meine nicht die Vögel, deren Namen ich nicht kenne
Ich höre den ungeduldigen Ton beim Reden und Lachen
Ich höre die Ungeduld in den Schritten, als würden alle rennen.

Ich sehe in jedem Augen-Blick den deutschen Frühling
Ein Erwachen der Einsicht in eine neue Erkenntnis
Deutschland als Deutschsein erfindet sich neu, ständig
Und ist mehr als die Summe bisheriger Erkenntnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung