DICKE FLOCKEN

Dein Lachen ist
Eine warme weiche Umarmung
Nicht mal die dicken Schneeflocken
Außerhalb des Fensters
Die es hervorlockten
Können es wettmachen.

Wie leuchten die Fenster
Deiner Seele! Dein Lachen
Ist ein Gruß an mein Herz.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEZEMBER

Salzverstreuer
Salz und Feuer
Schneeverbrenner
Weihnachtsmänner

Herzen weicher
Liebe reicher
Jahresende
Lebenswende.

Alles kommt und alles geht
Älter werdend, Erde dreht
Dieser Tag kommt nie zurück
Doch unerfüllt, sein Traum von Glück.

Was wird kommen nächstes Jahr?
Der will wissen, bleibet wahr
Alles tagt und alles treibt
Nur das Wahrhaftige bleibt.

– Che Chidi Chukwumerije.
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WEIHENACHT

Das Jahr ist anders viel
Anders gelaufen als erwartet
Erhofft. Nur heute kommen
Die selben alten Gefühle wieder
Hoch.

Der Schmerz unerklärlich
Und Nostalgie und Verlust ohne Name
Und es ist alles vorbei –
Nur ich habe überlebt, im einsamen
Loch.

Diese Glocken so uralt, so vertraut
Tröstend, wissend, alles was du
Leidest ist ein wiederkehrender
Glockenklang. Sei stark, sei
Schwach.

Mensch, sei Mensch. Menschen scheiden
Trennung ist euer Schicksal, denn
Ihr müsst euch trennen, um weiter
Zu wachsen. Traure deiner Kindheit nicht
Nach.

Die Seele, die erwacht und lacht
Ihr wird heute Weihenacht.

– Che Chidi Chukwumerije.

REIF

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Süßer wie süß, du, Duft
Dürftest mich führen, denn ich suche
Doch finden werde ich so nicht
Denn das, was ich suche, ist herb
Und wird mich auf den Winter einstimmen
Reif muß die Flamme sein
Die mich in der Kälte warm hält.

Aber ich verstehe, es ist Dezember
Du musst dich schön machen für meine Träume
Doch unterhalb meiner warmen Gewänder
Liegen kalte Gefühle starr wie nackte Bäume
Herb geworden ist mein Geschmack
Dunkle Töne beim Nagellack
Und reife Freiräume.

– Che Chidi Chukwumerije.

GLÜHWEIN

Dein Atem
Wie Sonnenmondstrahlen
Wärmt meine Hoffnung
Eine Erinnerung glüht in meinem Hinterhirn
Wie heißer Winter
Getunkt in Wein

Und nun bin ich ein Fluß
Und Du bist meine Füße
Und wir eilten weg
Außer Atem.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNFASSBAR

Der hauchdünne Schmerz abermals
Jedes Mal, so wie Grausilbernrauchschwaden
Ihr Gedanke vorbei streift

Ich habe den ganzen langen Sommer
Im Loch nach dem Keime umgegraben
Zu entfernen des Schmerzes Brennwurzel
Ungekrönt von Erfolg

Jetzt härtet Herbst den Boden
Bis zum Frühling wird’s noch härter werden
Unter Schnee und Eis und ungetaut
Wird überwintern abermals in mir
Ungelöscht, mein Sehnen nach ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.

WARTESCHLEIFE

Ich saß ungesehen am Busbahnhof
Rostige Blätter starben in der Luft
Auf der letzten Reise zum Friedhof
Ich hätt sie trauriger eingestuft

Der letzte Bus ist wieder abgefahren
Letzter Kuß, letzter Wink, der Platz ist leer
Ein Schreck ist mir plötzlich eingefahren:
Was mache ich immer noch hier?

– Che Chidi Chukwumerije.

HERBSTREIFE

Es legte kurz nach dem Sommer
Eine linde Hand sich auf meine Brust
Holte mich wieder runter
Aus der hohen in die tiefe Lust
Unterbrach mit nachdenklichem Schweigen
Sommerglück und Sommerfrust
Ließ in mir die Kraft neu aufsteigen
Zu genießen Liebe und Verlust.

– Che Chidi Chukwumerije.

UMBLÄTTERN

Hat ein Lächeln
Ein Verfalldatum?
Jeder Blume
Ist einst die Zeit um.

Wird der Herbst verschließen
Die Blume, die Sommer uns geliehen?
Oder wird der Spätling sie
Blatt um Blatt ausziehen?

Wie lange hält das Gedicht
Es aus in seinem Grab?
November wartet um die Ecke
Und er reißt allen die Masken ab.

Die Blumen winken und scheiden
Unserem Mond entziehen sich die Gezeiten
Nur das Lächeln, das wird bleiben
Als Erinnerung an alte Zeiten.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHTLAMPE

Jedes Lächeln wirft einen Schatten
In deiner Nacht fühle ich mich geborgen
Wärme mich mit deiner dunklen Seite
Dein Lächeln spar für deine Lügen

So viel Sonne hatte ich noch nie
So viele neue Freunde gefunden
So viel Schimmer so schillernd gefeiert
Und so viel Einsamkeit empfunden

Verbirg dein Lächeln unter deinem Ernst
Denn die heiße Sonne spendet kaltes Licht
Diesen Sommer schmolzen Masken viele
Diesen Sommer wurd ich nachdenklich.

– Che Chidi Chukwumerije.