Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Nebel und dem Fluss Der Main fühlt sich heute ein bißchen so an wie ein Gefühlserguss lässt sich nicht trennen von unserm Sinnen Der Fluss ist da draußen, der Fluss ist hier drinnen Der Herbst ist ein Genuss. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
der Jahreszeiten
DER HERBST IST NICHT TIEF GENUG
Schmerz. Der Herbst ist nicht tief genug. Aber ein anderes Krankenhaus haben wir nicht außer den bunt werdenden Bäumen im Zug des reifer Werdens des Jahres als Gedicht. Ein Schmerzlindernbaum ist ein Herbstbaum, jedes Blatt ein Herzblatt aus Nebel und fadem Licht. Geister flüstern wie Wälder in meinem Traum und irgendwo dadrin, Gedächtnis, Dein Gesicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERBSTNARBEN
Wenn der Herbst kommt komme ich an Werden die Blätter bunt zeige ich meine wahren Farben Werden die Bäume nackt seht Ihr meine schönen Narben Vertrauen habe ich verlernt In Deutschland irgendwann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ENDE NAHT
Es ist jedes Jahr lustig zu beobachten wie tückisch der Sommer unter dem Anschein noch eine Weile da zu sein sich langsam zurück zieht der Tag täglich früher flieht die nachdenkliche Kühle beginnt sich zu melden, das Herz besinnt sich häufiger seine Sterblichkeit und ahnt seiner Unsterblichkeit. Noch ein bisschen Sommer und Spaß bald kommt Herbst, Reife und Gravitas zuerst bunt, dann nackt und blass. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER DRANG NACH ENTWICKELUNG
Irgendetwas will, es will raus - In mir tobt April wie ein Kind Zuhaus. Lass mich hinaus als Kind in die Welt - ich komm zurück nach Haus fertig und entwickelt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
OSTERNACHKLANG
Mein Blut blüht auf, eine Blume in April - Der Ostern ruft: „Lauf!“ Ich erwache! Ja, ich will! Wo kommst Du denn her, einsamer Glockenklang?, singend, „Näher!, komm näher, Ich bin erst der Empfang. Da, wo wir herkommen, klingt es tausendfach schöner.“ Da, wo WIR herstammen? „Ja, da ist‘s wunderschöner. Ich bin aus Deiner Heimat und läute Dir den Weg zurück, o Menschenblatt, im Lebensbuch ins ewige Glück!.“ Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
AN GOTT DENKEN
Sonnenstrahlen gehen leise spazieren morgens tief im leeren Laubenwald, heben die Köpfe, die zitternd frieren, und schieben sie in jeden dunklen Spalt zwischen Wurzel, Äste und Zweige hinein, grüne Blätter gibt es hier nicht mehr oder noch nicht, die Januarluft ist rein, ich sitze allein im Bus, allein ungefähr, drei Mitfahrende sind auch hier drinnen, meine Aufmerksamkeit gilt nur dem Wald, sonnengestreichelt, und mein Sinnen gilt Gottes allumfassendem zarten Gewalt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN JAHR MIT FESTEM ZIEL
Ein Jahr mit festem Ziel wünsche ich allen: Erwachsene Arbeit, kindliches Spiel - Ins Alte kein Zurückfallen, und Wahrhaftigkeit viel. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLES BLEIBT GLEICH
Ich konnte nicht länger warten, Ich musste gehen. Bald kannst Du was Neues starten, Dein Schicksal drehen. Ich bin das alte Jahr, Aufwiedersehen sagt man mir vergeblich; Ich komme nicht wieder, verstehen wirst Du mich nachträglich. Der letzte Tag des Jahres, nachdenklich nimmt er seinen Abschied - Die Menschen, unglücklich und glücklich, stimmen ein ins Abschiedslied. Was vorbei ist, ist vorbei, vorübergehend, Liebesgeschichten, Freundschaften, Pläne. Sie werden wiederauferstehend weitermachen, des neuen Jahres Leidenschaften. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE LETZTEN TAGE DES JAHRES
Fünf Tage sind viel Denk nicht, daß es schon vorbei ist Zeit ist nur ein Bei-spiel Abgelaufen ist noch nicht die Frist Dein Jahr könnte noch urplötzlich eine neue Wendung erhalten. Letzte Momente tun bekanntlich Überraschungen enthalten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
