Und es waren Blätter nein, es waren Freunde Was für ein Wetter Freundschaft hat ein Ende War es wirklich Freundschaft oder nur der Sommer? Freude, Spaß und Leidenschaft nur bis Ende September Blätter wie Farbreisende bald kommt Eure Zeit Der Sommer geht zu Ende mit schleichender Plötzlichkeit Blätter, pflanzliche, menschliche, lösen bald alte Verbindungen - Es kommt die Zeit für tiefere Gespräche und Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Jahreszeiten
MAIFEIER
Riesen steigen nieder - Ein Geräusch feiner Gefieder melodischer als Lieder… Ende Mai ist es wieder. Zauber, von weit weit her, Wunderkraft, Lebenselixier, bringt Erneuerung zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
APRILMORGEN
Die Sonne scheint aber die Luft ist eiskalt. Der Wolken Teint hat den azuren Himmel bemalt mit weiß, grau und dunkelgrau. In grüner Gestalt stellt sich der Wald zur Schau, mit hier und da buntem Blumengehalt. Nur Tiere fehlen irgendwie. Eine schlichte Einfalt, eine zarte strenge Harmonie, durchdringt der Natur Gewalt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
OSTERGLOCKEN
Osterglocken Ende März; Geist - Seele - Herz - Freude blüht aus Schmerz. Empfindung zieht aufwärts. Osterglocken bald April; Schwill an, Herz, schwill an, leuchtend hell und still. Was der Schöpfer will. Der Park kühl und trocken; Vögel, die laut frohlocken. Im Herz und im Gras hocken Neue Träume und Osterglocken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung







PERSÖNLICHKEITSWANDEL
Ist es auch Dir aufgefallen, daß er ein anderer Mensch geworden ist? Und sie auch? Ganz egal wer. Bei uns allen hat jede Persönlichkeitsphase ihre Frist. Ich hatte in der Zwischenzeit vergessen, wie das aussieht, weiße Blüten im kahlen braunen Wald. Unterdessen schreitet die Natur voran, bereit zum Brüten: Ein Schopf weißer Haare hier und da wächst urplötzlich aus kargen Winterästen - Der Wald fragt den Frühling Bist Du nah? Ich erkenne Dich nicht mehr im Entferntesten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESPÜR FÜR WINTER
Manchmal kann ich meine Stimme nicht finden, Sie versteckt sich irgendwo in mir. Wer mich empfangen will, muß mich empfinden - Deshalb hat jeder Mensch ein Gespür. Das sind die Worte, die still der Winter flüstert, Ich höre sie im Februarwald, Im liegenden Zweig, der knurrt und knistert, Im lauen Wind, der schallt und nachhallt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN ZWISCHENDING
Der Winter ist noch da
und schon vergangen
Wie kann das sein?
Der Frühling ist schon da
aber noch nicht erschienen
Sein ist nicht Schein.
Die Ehe ist noch da
und längst zu Ende
Zusammen ist jeder allein.
Der Weltkrieg ist schon da
aber noch nicht ausgebrochen
Wirklich? Aber jein.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GENERATIONENÜBERGREIFEND
Wir fangen bei jeder neuen Generation wieder von Null an, als hätten wir nicht bereits in der jeweils vorherigen Generation alles gegen Hass getan und seinen Anpassungsanreiz. Sisyphus war kein Mensch, er ist die Menschheitsgeschichte - Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz zu reinkarnieren unsere Bösewichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIE EIN GAST LIEGT DER SCHNEE
Wie ein Gast liegt der Schnee, Zu Besuch, im Wohnraum der Stadt ausgebreitet, Fremd und doch Zuhause, und unbegleitet, Wie ein Familienmitglied vom Übersee. Er hat nicht viel zu sagen, genau wie ich, Schweigen ist unsere Sprache des Suchens nach Antwort, Ruhe und Ursache, In diesen Winternächten und -Tagen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE BÄUME SEHEN ALLES
Sie könnten fast Menschen sein Wie sie da stehen, still, im dunklen Wald. Wieso sagen sie nichts? Wir sind allein, Der Winter ist kalt, die Nacht ist alt, Die Wolken öffnen ihren Mund dem Mondschein, Geistern oben im Himmel, unten in Schneegestalt. Ein Bach, ein ungenaues Tier, ein Grenzstein. Die Bäume sehen alles, sie sind der Wald. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
