Weihnachten kommt Du würdest es nicht denken Einsamkeit kommt Bunt verpackt in leeren Geschenken Gedächtnisgräber in Rauschgetränken Empfindung kommt Denkende Köpfe werden sich senken Je dunkler der Geist Desto heller seine Umgebung Der Christusgeist Ungeblendet von bunter Ummantelung Sieht das Herz fähig der Vergebung Der Heilige Geist Anwesend, unsichtbar ohne unsre Umwandlung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Jahreszeiten
TAGE DER KÄLTE
Im Winter schreibt die Straße
ihre härtesten Gedichte
Wieder ein Obdachlose erfroren
mundtot in der Stadtgeschichte
Die Nachrichten schreien
darüber ein paar Tagesberichte
Die Politik zeigt sich bestürzt –
das, wozu sie sich verpflichte.
Die Bewohner und Benutzer
der Straße, ihre eigenen Gerichte,
wussten‘s schon immer, die Kälte
richtet ihn eines Tages zunichte.
Niemand rief den Kältebus
doch die waren keine Bösewichte
Die Kälte zieht uns die Wärme ab,
die ihr Ertragen ermöglichte.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZÖGERND
Eher zögernd kam
Wieder
Der Frankfurter Schnee
Über
Stadt, Land, Fluss
und Liebe
Zuckte kurz, nicht mal heftig
Einmal, zweimal, scheu, bedächtig
Auch eine zarte Liebesbekenntnis
verschwindet niemals aus dem Gedächtnis.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HESSISCHE WÄLDER
Was willst Du mir sagen
Hessische Nacht?
Der Wald ist zu alt für mich
Ich verstehe ihn nicht
wenn er flüstert, wenn er träumt,
wenn er schweigt oder lacht.
Der Neuschnee ist uralt.
Meiner tiefen Empfindung Gewicht
beschäftigt lehrend mich –
Ich habe es nicht ausgedacht:
Ein fremder Geist spricht durch mich
in meinem jeden Gedicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHNEEREGEN
Wenn du nur die Nacht wärest
Würde ich dich lieben
Wenn du nur der Tag wärest
Würde ich dich nehmen
Wenn du nur der Winter wärest
Würde ich dich mit Träumen schmücken
Mit Dir kuscheln
Aus dem dunklen Fenster mit Dir gucken
Während es draußen schneeregnet.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SOMMERANFANG
Sommeranfang Freudenschaum Impulsandrang Blütentraum Farbengesang Erlebnisbaum Wonnenaufgang Hemmungen kaum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES GIBT KEINE NEUEN MENSCHEN
Es gibt keine neuen Menschen Es gibt nur die alten Seit langem traf ich keine neue Frau keinen neuen Mann mehr und fand nie wieder einen neuen Freund. Es waren nur und immer die selben alten die ich seit Jahren kenne, in anderen Körpern, Gesichtern, Namen. Es gibt keinen neuen mich; such nicht nach ihm, nicht in mir - finden wirst Du jedes Mal am Ende nur den selben alten. Es gibt keine neuen Jahreszeiten. Zeit und Veränderung in Dauerschleife zaubern immer wieder auf die Oberfläche neu das alte, manchmal uralte, Ich hervor. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MITTAGSPAUSE
Auf die Schnelle hole ich mir ein Stück Langsamkeit aus der Mittagspause heraus - Eine Stunde ausgedehnt durch Insichgehen. Ein verinnerlichter Moment in der Ferne ist wie eine Ewigkeit Zuhaus. Aus dem Fenster schauend betrachte ich das Vollenden des Waldes Belaubung in seiner Unaufhaltsamkeit. Lang lebe das Wachsen Lang lebe das Reifen Lang lebe die Langsamkeit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACH DEM DU MIR ALLES GENOMMEN HAST
Unter allen Liebhabern
die ich habe
gehst Du am tiefsten
am weitesten
in der Missachtung meiner Sehnsucht
nach Ruhe
nach Sicherheit
Und ich entkomme Dir nicht
immer kommst Du zurück
nach dem Du mir alles genommen hast
was ich je hatte
nach dem Du mir alles gegeben hast
was ich lieb habe
lieber April.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ER MACHT, WAS ER WILL
Ich spüre Dich wieder nahe, nicht als Körper. Du ahnst es: als Geist. Denn immer wenn Du nah warst, wurde ich von der Dichtung gestreift. Heute hast Du mich bombardiert, angesteckt und ohne Impfung geheilt, in die Flucht getrieben, dann als Scherz hast Du mich auch noch zugeschneit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

