ALLE ZEIT DER WELT

Ich habe keine Zeit, die Welt zu sehen
Aber ich habe Zeit, Deine Welt zu sehen
Und Deine Welt ist groß genug
Um meine Tage und Nächte
Und Herz
zu füllen
So lange ich noch Zeit habe
So lange ich noch ich bin, der Dich liebe
So lange ich noch lebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NICHT MEHR LANGE

Wie schnell Ihr wachst
Eure Augen sprechen Volumen
Eure Worte navigieren kluge Gedanken
Auf den Weg zu mir
Ich sehe es in Euren denkenden Augen -
Wie lange noch, bis ich Euch nicht mehr
Meine Kinder nenne
Sondern meine Erwachsenen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÖFFNE DICH

Wer nimmt Dich ernst?
Wer sieht Dich ganz?
Wer hat Dich gern?
Wer hält Deine Hand?

Wo bist Du nicht fremd?
Wo bist Du nicht Zuhause?
Überall Feind… und Freund
In jedem Bekanntenkreise.

Öffne Dein Herz
Schieb Deine Ängste beiseite
Bereite mir dadrin einen Platz
Ich komme voller Freude.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BARFUSS

Die Stadt klebt an meinen Stiefeln
Ich schleppe sie überall mit,
ins Dorf und ins Ausland
Bis vor die Tür meiner Wohnung
Dann ziehe ich sie aus.
Wo die Stadt endet und Deine Welt beginnt,
Da bin ich Zuhaus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICH VERTRAUENSVOLL UNTERHALTEN

Jedes Herz braucht einfach jemanden
mit dem es reden kann. Mehr nicht.
Ein Herz, reif wie der Herbst, unverstanden,
wohnt im Erwachsenen und Kind, außer Sicht.

Außer sich vor Einsamkeit in sich.
Niemanden haben, mit dem es reden kann.
Der Winter naht, schweigsam, dürftig,
durstig nach der Zweisamkeit Gespann.

Denn jenseits der Gewalten
von Pflichten und Ideologien und Trieben:
Sich lieben ist sich vertrauensvoll unterhalten
und sich vertrauensvoll unterhalten ist sich lieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE RICHTIGE

Beinahe hätte ich Dich vergessen
Obwohl Du in mir wohnst
Doch Du überdauertest alle meine andern Interessen
Weil Du in mir wohnst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STÜRMISCH

Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich
auf die dunklen Berge - plötzlich
ist es überall nass - und sie sind sehr laut.
Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut.

Es blitzt wie ein helles Lachen
Es donnert wie das Erwachen
von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt
und nur die Hemmungslosen belohnt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FÜR IMMERMEER

Mond – Strand – Castelldefels

Meer passt zu Dir
Muß nicht reimen
Komm einfach zu mir
wie Gezeiten im Geheimen

Der Mond liegt auf meinem Munde schwer
Ich rufe Dich und Du kommst hierher
Denn Du hörst auf den Namen Immermeer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BALEARES

Strand Barcelona
Ich stand mit Füßen im Wasser
mit Herzen aus Wasser
beobachtete das ruhelose Wasser

Seit Milliarden von Jahren im Takt
macht das Wasser genau das hier, was es macht -
kommen gehen kommen gehen und lacht

Ohne Höhepunkt kommen ohne Ankommen
Ohne Ende ein uraltes Abkommen
Erde und Meer lieben sich vollkommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZWEI GESPRÄCHE

Hast Du schonmal zwei Menschen
reden gehört
und mit keinem Wort verrieten sie,
worüber sie wirklich redeten?

Hallo. Wir geht‘s Dir?
Lange Zeit. Danke, mir geht es gut.
Und Dir? Auch. Auch. Schön,
Dich mal wieder zu sehen. Ja…

Eine Umarmung… Sie gehen
ihre getrennten Wege wieder. Einst
waren sie beste Freunde, Liebhaber sogar,
aber das ist lange lange her.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung